Wunder – Sieh mich nicht an!: Jugendbuch von Raquel J. Palacio

Klappentext

August ist zehn Jahre alt und lebt mit seinen Eltern und seiner Schwester Via in New York. August ist schlagfertig, witzig und sensibel. Eigentlich könnte also alles ganz normal sein in seinem Leben. Doch eines trennt August von seinen Altersgenossen: Sein Gesicht ist entstellt, und unzählige Operationen hat er schon über sich ergehen lassen müssen. Das ist auch der Grund, warum er noch nie auf einer öffentlichen Schule war und bisher zu Hause unterrichtet wurde. Das neue Jahr aber soll alles ändern. August wird in die fünfte Klasse der Bezirksschule gehen, und natürlich hat er Angst. Angst davor, angestarrt und ausgegrenzt zu werden. Doch August wäre nicht August, würde er nicht auch diese Herausforderung mit Bravour meistern!

Erster Satz

Ich weiß, dass ich kein normales zehnjähriges Kind bin.

Meinung

“Wunder” von Raquel J. Palacio ist aus vielen Gründen ein tolles Buch. Es ist toll geschrieben. Vermittelt tolle Botschaften. Und hat eine tolle Hauptfigur. Aber von vorne.

Ich bin nicht gerade ein Freund von Jugendbüchern. Was zum einen daran liegt, dass ich – altersbedingt – nicht (mehr) zur Zielgruppe gehöre. Zum anderen daran, dass es viel zu viele Jugendbücher gibt, die um die Themen Anerkennung, erste Liebe und Selbstfindung kreisen, die in diesem Alter zwar – ohne Frage – sehr wichtig sind; die ich in ihrer Oberflächlichkeit aber heute nicht mehr auf hunderten von Seiten erörtern muss.

“Wunder” gehört glücklicherweise nicht dazu. Vielmehr zählt die Geschichte von August Pullman zu jenen Büchern, für die es keine Altersbeschränkung gibt. Der Schreibstil ist leicht, flüssig und unbeschwert. Eben so, wie das Leben eines zehnjährigen Kindes sein sollte. Gleichzeitig vermittelt die Autorin Lebensweisheiten in kindgerechtem Format und lenkt den Blick der jungen Leser auf wirklich wichtige Dinge im Leben, wie Familie, Freundschaft und innere Werte.

Die Hauptfigur August war mir von der ersten Seite an sympathisch und ich las gerne von seinem abenteuerlichen und durch Rückschläge gekennzeichneten Weg, auf dem man sowohl mit ihm fühlen, als auch sich für ihn freuen konnte. Darüber hinaus schaffte es noch kein Jugendbuch, mich so zu berühren, wie es “Wunder” vermochte, das mal lustig, mal traurig und mal so schön war, dass ich mit den Tränen kämpfen musste.

“Okay”, sagte Mr. Browne, während er all das aufschrieb. Als er fertig war, drehte er sich um und schaute uns wieder an. “Aber keiner von euch hat das Wichtigste von allem genannt.”

Wir alle schauten ihn ratlos an.

“Gott?”, sagte ein Mädchen, obwohl Mr. Browne “Gott” an die Tafel schrieb, merkte ich, dass das nicht die Antwort war, auf die er gewartet hatte. Ohne noch etwas zu sagen, schrieb er:

WER WIR SIND!

Die Geschichte wird in sehr kurzen Kapiteln sowohl aus der Perspektive von August selbst, als auch aus der Perspektive seiner Schwester Via, sowie aus der Sicht einiger seiner Freunde erzählt. Dabei wird auf einfühlsame und gleichzeitig eindringliche Weise gezeigt, wie oberflächlich unsere Welt ist, in der Äußerlichkeiten häufig mehr zu zählen scheinen als Talent und Persönlichkeit. Das dem – zum Glück – nicht so ist, zeigt sich (leider) oftmals erst auf den zweiten Blick. Dass gutes Aussehen ein Türöffner und eine Behinderung oder Anomalie ein Ausgrenzungsgrund ist, daran wird sich vermutlich nie etwas ändern. Aber es ist wichtig aufzuzeigen, dass sich Türen aufgrund schlechten Verhaltens auch wieder schließen und sich – im umgekehrten Fall – durch eine tolle Persönlichkeit, eine funktionierende Familie und richtig gute Freunde, die mit einem durch alle Höhen und Tiefen gehen, auch Türen öffnen können. Denn auch daran wird sich nie etwas ändern – im Endeffekt bekommen die meisten Menschen dann doch das, was sie verdienen.

Die Dinge, die wir tun, sind das Allerwichtigste. Sie sind wichtiger als das, was wir sagen oder wie wir aussehen. Die Dinge, die wir tun, bleiben auch nach unserem Tod erhalten. Die Dinge, die wir tun, sind wie Denkmäler, die Menschen bauen, um Helden zu ehren, nachdem sie gestorben sind. Sie sind wie Pyramiden, die die Ägypter gebaut haben, um die Pharaonen zu ehren. Nur dass sie anstatt aus Steinen aus den Erinnerungen bestehen, die andere Leute an einen haben.

Deshalb sind unsere Taten wie Denkmäler. Sie sind aus Erinnerungen gebaut und nicht aus Steinen.

Eine absolute Leseempfehlung. Auch für Erwachsene.

Liebste Stelle

Ich persönlich mag es, wie die Ärzte reden. Ich mag es, wie sich die Wissenschaft anhört. Ich mag es, wie Worte, die man nicht versteht, Dinge erklären, die man nicht verstehen kann.


        
    

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