Sorry: Thriller von Zoran Drvenkar

Klappentext

Die fetten Jahre sind vorbei. Eine gute Gesch├Ąftsidee ist gefragt. Frauke, Tamara, Kris und Wolf, vier junge Berliner, st├Ârt, dass sich niemand mehr f├╝r nichts verantwortlich f├╝hlt. Sie setzen auf die heilsame Kraft eines einfachen ┬╗Sorry┬ź und gr├╝nden eine ┬╗Agentur f├╝r Entschuldigungen┬ź. Erstaunt stellen sie fest, dass die Resonanz ├╝berw├Ąltigend ist. Bis Kris eines Tages am vereinbarten Treffpunkt nicht den Klienten, sondern eine brutal zugerichtete Leiche findet. Und den Auftrag, sich bei ihr zu entschuldigen. Die vier lassen sich auf ein gef├Ąhrliches Spiel mit dem M├Ârder ein, das immer perfider und grausamer wird.

Erster Satz

Es ├╝berrascht dich, wie einfach es ist, sie ausfindig zu machen.

Meinung

Vor ein paar Jahren las ich mit “Du” meinen ersten Roman von Zoran Drvenkar. Die verschachtelte Geschichte voller ├╝berraschender Wendungen gefiel mir sehr, sodass ich nicht z├Âgerte, als ich letzten Mai “Sorry” in einem Berliner Second Hand Laden fand.

Auch wenn ich mich grob an den minimalistischen und schonungslosen Schreibstil des Autors erinnerte, h├Ątte ich nicht gedacht, dass mir bereits das erste Kapitel eine Spur zu heftig sein k├Ânnte. Gl├╝cklicherweise ging es in den folgenden Kapiteln wieder harmloser zu und es entwickelte sich eine spannende Geschichte ├╝ber vier Freunde, die eine Agentur f├╝r Entschuldigungen gr├╝nden und damit sehr erfolgreich werden. Alles scheint perfekt, bis sie einen Auftrag erhalten, der sie in einen Sumpf aus Schuld und Kindesmissbrauch hineinzieht und den sie nicht alle ├╝berleben werden.

Die Temperaturen sind binnen weniger Stunden in die Minusgrade gefallen, Schnee hat sich wie ein fl├╝sterndes Laken ├╝ber das Land gelegt und f├╝r eine befremdliche Stille gesorgt – der Verkehrsl├Ąrm ist verschwunden, keine V├Âgel sind mehr zu h├Âren, die Menschen sprechen leiser miteinander.

Drvenkar erz├Ąhlt die Geschichte aus der Sicht verschiedener Protagonisten. Neben den vier Freunden Frauke, Tamara, Kris und Wolf sind das auch “Du” und “Der Mann, den es nicht gab”, die man zu Beginn nicht so recht einordnen kann. Zeitlich werden die Kapitel au├čerdem mit “davor” oder “danach” ├╝bertitelt. Der Leser bleibt zun├Ąchst im Unklaren dar├╝ber, vor oder nach welchem Ereignis die jeweiligen Kapitel spielen. Ein kniffeliges R├Ątsel, das erst ganz zum Schluss komplett aufgekl├Ąrt wird.

Wie erwartet, entstand nach wenigen Seiten ein Sog, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte und der mich immer tiefer in die Geschichte eintauchen lie├č. Dies lag sicherlich auch an der realistischen Story, die fast zehn Jahre nach Erscheinen von “Sorry” nichts an ihrer Aktualit├Ąt eingeb├╝├čt hat.

Du bist nur noch ein zitterndes B├╝ndel auf dem Waldweg. Deine Nerven spielen verr├╝ckt, die Synapsen feuern nutzlos, und in einer Nische deines Verstandes ruft dir eine Stimme schrill und laut Warnungen zu, aber du verstehst keine einzige Silbe.

Eine Agentur, die sich f├╝r ihre Auftraggeber entschuldigt, k├Ânnte vermutlich wirklich gute Gesch├Ąfte machen, aber auch sehr seltsame und verst├Ârende Auftr├Ąge erhalten. Ob nat├╝rlich jemand so weit gehen w├╝rde, Menschen umzubringen, um sich anschlie├čend bei ihnen zu entschuldigen sei dahingestellt. Auch die vom T├Ąter an den Tag gelegte Selbstverst├Ąndlichkeit, nicht erwischt zu werden, sowie das Verm├Âgen, das die vier Freunde innerhalb k├╝rzester Zeit mit ihren Auftr├Ągen scheffeln, schienen mir ein wenig ├╝bertrieben.

F├╝r einen fiktiven Thriller geht das aber in Ordnung, zumal der Autor alles sehr plausibel verpackt und die einzelnen Figuren jederzeit logisch und absolut nachvollziehbar handeln.

Die Story ist packend geschrieben und mitunter so nervenaufreibend, dass ich es kaum aushielt. ├ťber Hunderte von Seiten schwang eine unheilvolle Stimmung zwischen den Zeilen mit, die zwar auf Dauer bedr├╝ckend und deprimierend wirkte, aber gleichzeitig die Spannung aufrecht hielt. Ein Kunstst├╝ck, das mir bislang bei keinem anderen Autoren in diesem Ma├če auffiel.

Wer allerdings ein positives Buch sucht, das beim Lesen ein gutes Gef├╝hl hervorruft, wird mit diesem Buch leider nicht gl├╝cklich werden.

Sorry.

Fazit

Ein sehr spannender, ├Ąu├čerst lesenswerter und noch immer aktueller Thriller, der zwar nicht ganz an “Du” heranreichte, mir aber trotz kleiner Schw├Ąchen noch lange im Ged├Ąchtnis bleiben wird.

Liebster Satz

Es ist ein wenig, als w├╝rde er deine Gedanken lesen. Wenn er das k├Ânnte, dann w├╝rde er jetzt davonrennen.

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