Sniper – Kaltes Blut: Thriller von Salim Güler

Klappentext

Baptist Voß, Scharfschütze in einer Sondereinheit der Bundeswehr, kommt von einem monatelangen Afghanistan-Einsatz zurück nach Mannheim. Er freut sich auf ein Wiedersehen mit seiner Frau und möchte endlich sein Baby in den Armen halten, das er bisher noch nicht gesehen hat. Doch dann erfährt er, dass seine Familie kurz vor seiner Rückkehr auf brutale Weise ermordet wurde. Während die Kripo Mannheim fieberhaft nach dem Mörder der jungen Frau und ihrem Baby sucht, nimmt Baptist die Sache in die eigene Hand, getrieben von Rachegelüsten und Hass. Kann die Kripo Mannheim um Kommissar Jan Berger den Mörder vor Baptist finden und ihn von Selbstjustiz abhalten, oder wird er die Straßen Mannheims in ein Meer von Blut verwandeln?

Erster Satz

Schon seit einigen Stunden verharrte er in der gleichen Position.

Meinung

Eigentlich lade ich mir Bücher von Selfpublisher-Kollegen hauptsächlich deswegen herunter, um sie lobend auf meinem unbedeutenden Blog zu erwähnen und ihnen dadurch dabei zu helfen, das eine oder andere Buch mehr zu verkaufen. Und auch wenn das bisher nicht ganz so gut geklappt hat, gebe ich die Hoffnung nicht auf und werde auf meinem Blog immer wieder Romane vorstellen, die im Eigenverlag erschienen sind.

Bei Lektüre des ersten Viertels von Salim Gülers Thriller “Sniper – Kaltes Blut” hatte ich die Hoffnung, dass dies nun endlich klappen könnte; denn sein Buch fängt spannend und ungewöhnlich an, ist flott geschrieben, steigert sich schnell bis ins Melodramatische hinein und… lässt dann leider ganz schön nach.

Dabei finde ich die Idee, dass ein Scharfschütze nach seiner Rückkehr von einem Einsatz vor den Trümmern seines Lebens steht, weil er seine Liebsten verloren hat, ziemlich gut. Daraus ergeben sich innerliche, wie äußerliche Konflikte, die zu Spannung führen.

Es mag auch sein, dass die Reaktion des Protagonisten auf den Tod seiner Familie nachvollziehbar ist, da wohl die meisten Menschen in seiner Situation Rachegelüste verspüren und an Selbstjustiz denken würden.  Und ich möchte auch nicht leugnen, dass es hier und da gute Ansätze gibt, vor allem was die Polizeiarbeit betrifft.

Ansonsten ist der Autor aber leider ziemlich nachlässig. Verliert sich in einigen Szenen immer wieder in unbedeutenden Details, während  er in anderen Szenen darauf verzichtet, auch nur die nötigsten Hintergründe mitzuteilen oder seine Schlussfolgerungen für den Leser nachvollziehbar zu machen.

Er griff nach seinem Handy, es war ein Blackberry, welches ebenso verschlüsselt war wie alle anderen technischen Dinge, die seine Elitetruppe nutzte, und wählte eine Nummer.

Selbst wenn die Polizei ihn abhören sollte, sie würden das Gespräch nicht entschlüsseln können. Nur US-Geheimdienste und Hacker aus China oder Russland waren dazu in der Lage.

 Warum zum Beispiel können nur US-Geheimdienste und Hacker aus China oder Russland das Gespräch entschlüsseln? Haben sie eine besondere Technik? Und warum können das nicht zum Beispiel auch der russische Geheimdienst oder Hacker aus den USA?

Entweder sind diese Sätze gedankenlos daher geschrieben oder mir fehlen die notwendigen Informationen, um den letzten Satz nachvollziehen zu können.

Hinzu kommt Baptist Voß’ seltsames Verhalten, das man zu Beginn vielleicht noch mit dem Schmerz erklärt, den der Verlust seiner Frau und seines Kindes ihm zugefügt haben. Irgendwann mausert er sich aber zu einer von Hass getriebenen und von Rachegelüsten zerfressenen Witzfigur, die sich dermaßen dämlich anstellt, dass ich mich zunehmend fragte, wie er die vergangenen Jahre im Kriegseinsatz überhaupt hatte überleben können.

Ob sie ihn gesehen hatten, wusste er nicht, glaubte es aber nicht  – aus welchen Gründen auch immer.

Über solche und ähnlich unnötige Sätze stolpert man leider immer wieder. Im vorletzten Kapitel hätt mich ein total konfuser Zeitungsartikel sogar noch fast dazu gebracht, das Buch auf den letzten Seiten abzubrechen.

3 Punkte gibt es für den ungewöhnlichen Plot (aus dem man sicher mehr hätte machen können), den einen oder anderen spannenden Moment und die gelungene Schilderung der Polizeiarbeit.

Liebste Sätze

 Die Wahrheit kannte keine Hoffnung. Die Wahrheit kannte nur Schmerz.


        
       

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