Kalt wie Nordlicht (Arne Eriksen ermittelt): Thriller von Bernhard Stäber

Klappentext

Die alte Akka, die der Psychologe Arne Eriksen in Nordnorwegen kennengelernt hat, ist tot. Zusammen mit seinen Freunden, der Kommissarin Kari Bergland und dem Journalisten Frode Bakklund, reist Arne an den Polarkreis, wo eine Gedenkfeier für die alte Samifrau stattfinden soll. Es ist kurz vor Weihnachten, die Zeit der längsten Dunkelheit. Ein massiver Schneesturm schneidet Akkas Hof von der Außenwelt ab, und die Gruppe aus Angehörigen und Freunden der Toten wird von einem Mörder heimgesucht. In der Kälte des Nordens auf sich allein gestellt, muss Arne in die Mythen der Sami eintauchen, um den Täter zu fassen.

Erster Satz

Wenn jemand Pastor Svein Fossum am Abend des 9. April 1993 um einundzwanzig Uhr vier mitgeteilt hätte, dass er in genau fünfundzwanzig Minuten sterben würde, dann hätte diese Botschaft ich nicht vor Angst gelähmt, denn er war ein Fatalist.

Meinung

Der zweite Thriller des in München geborenen und in Norwegen lebenden Autors Bernhard Stäber ist anders als die meisten Thriller, die ich bisher gelesen habe. Überhaupt habe ich selten habe solch ein atmosphärisches Buch gelesen. Die bedrückende Stimmung, die während der Wintermonate in Nordnorwegen herrschen muss, kam bei mir ebenso an, wie die grandiose Schönheit der Natur, die dieses Niemandsland zu allen Jahreszeiten bieten muss.

An Backbord leuchtete die lang gezogene Gruppe der Lofoten wie das gezackte Rückgrat eines halb im Meer versunkenen Drachens am westlichen Horizont, schneebedeckte Berggipfel, gleißend weiß und rauchblau im Dunst.

Wenn man im dunklen Nordnorwegischen Winter dann auch noch zusammen mit wildfremden Menschen in einem Haus eingeschlossen ist, um das ein Schneesturm tobt und in dem zu allem Überfluss auch noch ein Mord passiert, ist die Gänsehautstimmung perfekt.

Ihr Blick wanderte an Kari vorbei zu dem Schneesturm hinter der Scheibe des Küchenfensters, als sei das weiße Treiben eine Kinoleinwand. Sie schien in Gedanken Ereignisse heraufzubeschwören, die sie schon tausendmal im Kopf abgespielt und durchlebt hatte, ihr ganz persönlicher Horrorkultfilm im Kino der Erinnerung.

Leider macht der Autor es dem Leser nicht allzu leicht in das Buch hineinzukommen. Nach einem spannenden Prolog werden einem auf relativ wenigen Seiten nicht nur relativ viele Personen präsentiert, die Geschichte kann durch die vielen Beschreibungen (die zwar gut gelungen sind, sich aber endlos in die Länge zu ziehen scheinen), sowie undendlich vielen Informationen aus der Vergangenheit der Protagonisten, der Sami-Kultur und dem Leben in Norwegen nicht so richtig Fahrt aufnehmen. Ehe ich in der Geschichte drin war, hatte ich bereits etwa die Hälfte des Buches hinter mir.

Inas wie mit Eis überzogene blaugraue Augen schienen durch ihn hindurchzublicken, in eine andere Zeit voll Aberglauben und Angst, die ihm als Mensch des einundzwanzigsten Jahrhunderts so fremd war wie die abgewandte Seite des Mondes.

Dann ging es aber ziemlich rasant auf einen nervenaufreibenden Showdown zu, der mich zwar fesseln, aber schlussendlich nicht komplett überzeugen konnte. Irgendwie war mir die gespaltene Persönlichkeit des Täters dann doch ein wenig zu viel des Guten, auch wenn die Idee dahinter sicher spannend ist und dem Autoren viele Möglichkeiten dazu bietet, seine Leser in die Irre zu führen.

Obwohl die Stimme am an anderen Ende der Leitung leise sprach, schwang in ihr ein Ton mit, der jedes einzelne Wort in ein bleiernes Gewicht aus Bedeutung verwandelte.

Trotz kleiner Schwächen ein sehr atmosphärischer und gut geschriebener Winterthriller, der mich – nicht zuletzt dank seines exotischen Settings – in eine völlig unbekannte Welt zu entführen vermochte.

Ihre kleinen Augen sahen ihn unverwandt an, zwei wasserblaue Kiesel in ihrem runden und fast faltenlosen wintergrauen Gesicht.

Liebste Szene

Niemand wagte zu atmen. Das gewaltige, surreale Schauspiel, das über ihnen der Nacht eine Farbe verlieh, hatte für einen winzigen, endlos scheinenden Moment jeden Konflikt zwischen ihnen zur Bedeutungslosigkeit geschrumpft.

Arne fühlte sich von dem Anblick der Nordlichter wie erschlagen. Er hatte von ihnen gehört, er hatte über sie gelesen, er hatte sie bei YouTube in Filmen gesehen. Aber nichts hatte ihn auf ihre Wirklichkeit vorbereitet. Auf Schönheit, deren Anblick so kalt ins Herz schnitt, wie nur Natur dazu in der Lage war. Mit einem Mal verstand Arne, warum alle Kulturen um den Polarkreis einen regelrecht ehrerbietigen Respekt vor den Nordlichtern besaßen. Weshalb sie sie fürchteten. Es gab einen Schönheit, die töten konnte, wenn man sich in ihr verlor.


        

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