Hörbuch zum Roman “Tausend strahlende Sonnen” von Khaled Hosseini

Klappentext

Mariam ist fünfzehn, als sie aus der Provinz nach Kabul geschickt und mit dem dreißig Jahre älteren Schuhmacher Raschid verheiratet wird. Jahre später erlebt Laila, ein Mädchen aus der Nachbarschaft, ein ähnliches Schicksal. Als ihre Familie bei einem Bombenangriff ums Leben kommt, wird sie Raschids Zweitfrau. Nach anfänglichem Misstrauen werden Mariam und Laila zu engen Freundinnen. Gemeinsam wehren sie sich gegen Raschids Brutalität und planen die Flucht…

Ein ergreifender Roman über das Schicksal zweier Frauen in Afghanistan, wie ihn nur einer schreiben kann: der große Geschichtenerzähler Khaled Hosseini.

Erster Satz

Mariam war fünfzehn, als sie zum ersten Mal das Wort „harami“ hörte.

Meinung

Bereits mit seinem Debütroman “Drachenläufer” sorgte der amerikanisch-afghanische Schriftsteller Khaled Hosseini für Furore. Mehr als acht Millionen Mal verkaufte sich der 2003 erschienene Erstling, den Hollywood 2007 erfolgreich verfilmte. So ganz verstand ich den Hype um “Drachenläufer” damals nicht; das Buch war zwar gut, schaffte es aber leider nicht, mich zu begeistern.

Letztes Jahr las ich Hosseinis 2013 erschienenen dritten Roman “Traumsammler“, der mir so gut gefiel, dass nach dessen Lektüre auch sein zweites Buch “Tausend strahlende Sonnen” auf meiner Wunschliste landete.

In diesem Jahr litt ich unter einer schlimmen Leseflaute. Irgendwie brauchte ich für die Lektüre eines Buchs mehrere Wochen, obwohl das eine oder andere richtig gut war. An der Auswahl meiner Lektüre konnte es also nicht liegen. In den sozialen Medien sah ich mit einem Mal immer mehr Bilder und Rezensionen von Hörbüchern und ich fragte mich, ob das vielleicht etwas für mich sein konnte.

Bis dato hatte ich Hörbücher strikt abgelehnt, da ich mir nicht vorstellen konnte, dass mir irgendjemand ein hunderte Seiten umfassendes Buch vorlas – womöglich noch in einem ganz anderen Lesetempo und Leserhythmus, als dem meinen.

Ich wusste, dass in meiner Deezer-Flatrate das eine oder andere Hörbuch dabei ist, sodass ich mich dort umschaute und – zu meinem Erstaunen – einige Titel fand, die auf meinem Wunschzettel standen. Darunter auch dieses.

 

Der Einstieg war zunächst genauso holprig, wie ich es mir vorgestellt hatte. Schon nach 5 Minuten war ich mir sicher, dass ich das Experiment Hörbuch noch am ersten Tag aufgeben würde. Da ich kein anderes Buch dabei hatte und meine Zugfahrt zur Arbeit eine halbe Stunde betrug, ließ ich mich weiter berieseln; freute mich insgeheim aber bereits darüber, mir für den nächsten Tag ein “richtiges” Buch von meinem SuB auszusuchen.

Auf dem Nachhauseweg geschah etwas Seltsames: ich stieg aus dem Zug aus, setzte mich in den Bus und fand es mit einem Mal schade, dass ich bald zu Hause sein und Mariams Geschichte nicht weiterhören konnte.

Sicherlich trug auch die Sprecherin Andrea Hörnke-Trieß, die bei “Tausend strahlende Sonnen” einen fantastischen Job macht (!), dazu bei, dass ich mittlerweile komplett in die interessanten Schilderungen aus dem Kabul der 1960er Jahre eingetaucht war.

 

Wie in allen Büchern von Khaled Hosseini, geht es auch in “Tausend strahlende Sonnen” um das Leben junger Menschen in Afghanistan, das er uns auf spannende und faszinierende Weise näherzubringen versucht.

Mit seinen Schilderungen dieser fremden Kultur und ihren interessanten Bräuchen, kommt der Roman zunächst wie ein modernes Märchen daher, bis Stück für Stück die leidvolle und wechselhafte Geschichte der Figuren und ihres Heimatlandes in den Fokus rückt.

 

Hierfür hat der Autor seinen Roman in 4 Teile gegliedert.

 

Im ersten Teil tauchen wir in Mariams Welt ein, die als uneheliches Kind, den miesen Launen ihrer depressiven Mutter ausgeliefert ist. Wirklich glücklich scheint sie nur, wenn ihr Vater zu Besuch ist. Eines Tages begibt sie sich auf die Reise in die westafghanische Großstadt Herat, um ihn dort zu besuchen.

Was dort geschieht, wird ihr Leben komplett aus den Fugen heben und es für immer verändern. Sie wird ihr Dorf verlassen und nach Kabul ziehen, mit einem Mann zwangsverheiratet werden, den sie überhaupt nicht kennt und trotzdem versuchen, sich ihrem Unglück still zu fügen.

 

Der zweite Teil beschreibt die Kindheit von Laila, die Jahre später die zweite Ehefrau von Mariams Mann Rashid werden soll.

Doch zunächst verlebt sie eine glückliche Kindheit im Afghanistan der 1970er und 1980er Jahre, das sich im Umbruch befindet. Nach dem Ende des afghanischen Königreichs, versucht der Präsident der Republik Afghanistan sein Land zu modernisieren, was zur Erstarkung des Kommunismus und der Gründung der Demokratische Republik Afghanistan  führt. Mit Hilfe von Russland wird die Landbevölkerung alphabetisiert und man gesteht Frauen mehr Rechte zu.

Doch schon bald wird sich auch Lailas Leben radikal verändern. In einer sich immer schneller drehenden Abwärtsspirale gefangen, scheint sie bald ganz alleine auf der Welt zu sein, ehe Rashid sich ihrer annimmt und sich um sie kümmert.

 

Im dritten Teil wird das Zusammenleben von Rashid und seinen beiden Frauen näher beschrieben. Laila wird Mutter und bekommt allmählich eine Ahnung davon, in welchen Teufelskreis sie durch die Hochzeit geraten ist.

Auch politisch geht es bergab. Nach dem Abzug der Sowjets aus Afghanistan, müssen die Frauen im Land sich sukzessive von ihren Rechten verabschieden.

Als die Taliban Mitte der 1990er Jahre an die Macht kommen, dürfen Frauen ohne ihren Mann oder einen anderen männlichen Begleiter, so gut wie gar nichts mehr.

Als Laila zum zweiten Mal schwanger wird, muss sie ihren lange ersehnten Sohn sogar in einer heruntergekommenen Klinik zur Welt bringen, in der es weder Strom noch fließendes Wasser, geschweige denn Schmerzmittel, gibt.

 

Viel mehr möchte ich nicht verraten, außer, dass Khaled Hosseini seinen Lesern immer wieder spannende Wendepunkte beschert, und sowohl ihnen, als auch seinen Figuren, im Verlauf des Buches einiges zumutet.

Zum Ende hin keimen sogar zarte Funken der Hoffnung im Leser auf. Nicht nur für Mariam und Laila, sondern auch für Afghanistan und die vielen dort lebenden Ethnien.

Tatsächlich könnte man “Tausend strahlende Sonnen” also zunächst in die Schublade der modernen Märchen ablegen, doch vermutlich würde es diesem vielschichtigen Roman, der sicherlich noch lange nachhallen wird, darin schnell zu eng werden.

Eine Veränderung jedenfalls haben die vielen Stunden, die ich mit dieser Geschichte verbracht habe, bereits bewirkt – Hörbüchern gegenüber stehe ich nun ein wenig aufgeschlossener gegenüber. Und auch wenn ich noch weit davon entfernt bin, ein Fan dieses Formats zu sein, kann ich mir doch vorstellen, auch in Zukunft das eine oder andere Buch mit den Ohren, anstatt mit den Augen zu lesen.


      

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