Ein ganzes halbes Jahr: Roman von Jojo Moyes

Klappentext

Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt. Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt.

Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will.

Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird.

Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen.

Die Liebesgeschichte von Lou und Will.

Erster Satz

Als er aus dem Bad kommt, ist sie wach, hat sich gegen das Kopfkissen gelehnt und blättert durch die Reiseprospekte, die neben seinem Bett gelegen haben.

Meinung

Zu Weihnachten bekam ich „Ein ganz neues Leben“, den Nachfolger dieses Romans geschenkt. Zunächst war ich ein wenig irritiert und fragte mich zum einen, warum man mir den zweiten Teil einer Buchreihe schenkt und zum anderen, wie jemand darauf kam, dass mir solche Schnulzen liegen könnten. Trotzdem beschloss ich, den Versuch zu wagen und lieh mir „Ein ganzes halbes Jahr“ von meiner Tante aus.

Bereits auf den ersten Seiten fiel mir der Schreibstil der Autorin positiv auf. Ich weiß nicht genau, was ich erwartet habe – immerhin ist die britische Schriftstellerin Jojo Moyes Journalistin – aber vermutlich hatte ich, aufgrund der Buchcover, eine blumig geschriebene Schnulze vermutet.

Überhaupt gefiel mir vieles an diesem Roman besser, als ich es für möglich gehalten hätte. Und doch wollte der berühmte Funke erst ziemlich zum Schluss hin auf mich überspringen.

Aber von vorne.

Der Roman wird größtenteils aus Sicht der 27-jährigen Kellnerin Louisa Clark erzählt, die ihren Job verliert, als ihr Chef beschließt, sein kleines Café in der englischen Kleinstadt Bishop’s Stortford zu schließen. Vom Jobcenter bekommt sie relativ eine Stelle als Pflegekraft vermittelt, die zwar kein Traumjob, aber zumindest gut bezahlt ist.

Zunächst denkt Lou, wie alles sie nennen, für die Pflege eines alten Mannes zuständig zu sein, doch als sie an ihrem ersten Arbeitstag bei der genannten Adresse eintrifft, stellt sich heraus, dass es sich bei ihrem Pflegling um einen querschnittsgelähmten, jungen Mann handelt, der ungefähr in ihrem Alter ist.

Will Traynor macht es Loiu in ihrem neuen Job aber nicht leicht. Er verhält sich ihr gegenüber sehr zurückweisend und gibt ihr das Gefühl, alles falsch zu machen. Doch schon bald finden sie einen Weg miteinander klarzukommen und die gemeinsame Zeit für beide erträglich zu machen. Da sie komplett unterschiedlich sind, lernen sie viel voneinander und Lou bringt Will, durch ihre schusselige und tollpatschige Art, immer wieder zum Lachen.

Ich staubte ein paar Regale ab, die nicht abgestaubt werden mussten, und überlegte, ob ich die Fenster putzen sollte.

Um Will dabei zu helfen seinen Lebensmut wieder zu finden, den er während der letzten Jahre im Rollstuhl verloren hatte, plant Lou diverse Ausflüge mit ihrem Schützling und stellt erst dadurch fest, wie kompliziert selbst die alltäglichsten Dinge für behinderte Menschen sind.

Zwischendurch wechselt die Erzählperspektive und einzelne Kapitel werden aus der Sicht anderer Figuren, wie etwa Will’s Mutter und Lou’s Schwester erzählt.

Leider kommen einem die Erzähler dadurch nicht wirklich näher, sodass diese Kapitel – meiner Meinung nach – auch aus Lou’s Sicht hätten erzählt werden können.

Dennoch eine schöne Idee, die für ein wenig Auflockerung sorgte.

Trotz solcher Bemühungen fiel es mir schwer, mit den Figuren warm zu werden, was wohl vor allem daran lag, dass sie mir nicht wirklich sympathisch waren.

Lou war mir bis zuletzt ein Mysterium und ich wusste nicht, ob sie nun verpeilt oder asozial, dick oder dünn, hübsch oder hässlich ist.

Das gleiche Problem hatte ich mit ihrer Schwester Treena und ihrer Mutter.

Von Will’s Mutter hatte ich dafür schnell ein Bild im Kopf und sie verhielt sich genau so, wie ich sie eingeschätzt hatte.

Was die Männer betrifft, hatte ich hingegen keine Probleme. Mir war klar wie sie ticken, wie sie aussehen, wie sie sprechen. Vielleicht ist das ja gerade die große Kunst, dass mir die Frauen – wie im wahren Leben – ein Rätsel bleiben, während ich die Männer auf Anhieb verstehen kann.

Vor allem in Will konnte ich mich gut hineinversetzen. Er tat mir sehr leid und doch bewunderte ich ihn für seine starke Persönlichkeit.

Seine Geschichte war es schließlich auch, die zum Ende hin meine emotionale Distanz abbaute und mich mit allen Figuren mitfühlen ließ.

Sie betrachtete mich genau. Sie hatte ihr Denkgesicht. Es gab nichts furchterregenderes, als das Denkgesicht meiner Schwester, wenn sie einen damit direkt ansah.

Bis auf die letzten 100 Seiten plätscherte die Story gemächlich vor sich hin und bot nur wenige Überraschungen oder unvorhersehbare Wendungen. Alles war dann doch irgendwie genau so, wie ich es mir vor der Lektüre gedacht hatte.

Nur dass die Themen so tiefgründig sind, dass sie mich über die Lektüre hinaus an die Alltagsbewältigung von Rollstuhlfahrern denken lassen und die Geschichte alles in allem eher deprimierend ist, damit konnte Jojo Moyes mich dann doch überraschen.

Fazit

ein kurzweiliges, tiefgründiges Buch, das mich trotz der eher deprimierenden Thematik gut unterhalten konnte und zu Recht viele Leserinnen und Leser fand.

Nachdem ich zum Ende hin mit den Protagonisten warm wurde, kann ich mir nun auch vorstellen, den Nachfolger zu lesen, selbst wenn „Ein ganzes halbes Jahr“ keine Begeisterungsstürme bei mir auslöste.

 Liebster Satz

Und dann, einfach so, brach mir das Herz

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