Die Karte meiner Träume: Roman von Reif Larsen

Klappentext

T. S. Spivet ist zwölf Jahre alt und ein genialer Kartograph. Denn er weiß genau, dass nichts von Dauer ist. Der Whiskykonsum seines Vaters wird ebenso in Diagrammen festgehalten wie die Anatomie von Glühwürmchen. Inmitten seiner merkwürdigen Familie lebt er auf einer Ranch in einem flachen Tal in Montana. Eines Nachts begibt sich T.S. auf die Reise nach Washington und damit in ein unglaubliches Abenteuer.

Erster Satz

Der Anruf kam an einem späten Augustnachmittag, als meine ältere Schwester Gracie und ich auf der Gartenveranda saßen und Maiskolben putzten.

Meinung

Dem amerikanischen Autor Reif Larsen ist mit seinem Debütroman  eine abenteuerliche Geschichte geglückt, die mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen hat. Selten bin ich so in einer Geschichte versunken, wie in “Die Karte meiner Träume”. Was um mich herum passierte, nahm ich überhaupt nicht mehr wahr. Das einzige, was ich wissen wollte, war, wie es weiter geht.

Besonders gefallen hat mir die ungewöhnliche Aufmachung des Buches, die eher an ein Sachbuch als an einen Roman erinnert und mit etlichen Randnotizen und Querverweisen gespickt ist. Lediglich das unhandliche Format des “Taschenbuchs” störte mich hin und wieder, weil es für unterwegs fast schon zu groß ist.

Der Roman lässt sich in drei Teile gliedern: das Farmleben auf der Spivet-Ranch in Montana, die Reise nach Washington, D. C. und den Geschehnissen in der amerikanischen Hauptstadt.

Im ersten Teil wird dem Leser die Familie Spivet vorgestellt, die neben Tecumseh Sparrow (T. S.) selbst, aus seiner Mutter, der Käferforscherin Dr. Clair, seinem wortkargen Vater Tecumseh Elijah (T. E.), sowie aus seinen Geschwistern Layton und Gracie besteht.

Die Gute Stube war das einzige Zimmer im Haus, das eindeutig Vater gehörte. Er beanspruchte sie mit einer stillschweigenden Beharrlichkeit, der man nicht widersprach.

Während T. S. und seine Eltern in ihren jeweiligen Aufgaben völlig aufgehen und ein wenig weltfremd zu sein scheinen, möchte der zehnjährig Layton die Ranch übernehmen und Gracie eine berühmte Schauspielerin werden. Überhaupt fragt Gracie sich häufig, wie sie nur in solch eine Familie hineingeboren werden konnte.

“Man könnte meinen, Gott hasst mich. Und er sagte: >He Gracie, hier hast du eine Familie von Irrsinnigen, bei der kannst du leben! Oh, und ihr wohnt alle zusammen in Montana! Und dein Bruder, ein totaler Chaot, der geht dann nach Washington, D. C. – <“

Gerade aufgrund ihrer Eigenarten, wuchs mir die Familie Spivet schnell ans Herz. Gerne hätte ich noch mehr von ihrem kuriosen Alltag erfahren und war daher ein wenig traurig, als T. S. sich auf den Weg nach Washington machte. Sein verschrobener Lehrer Dr. Yorn hatte T. S. für einen Wissenschaftspreis vorgeschlagen, den er nun von der renommierten Smithsonian Institution verliehen bekommen sollte.

Plötzlich machte Dr. Yorn einen Hechtsprung und schlug jämmerlich daneben bei dem Versuch, einen Wacholderzipfelfalter zu ergattern. Callophrys gryneus, ein Hauch von einem Geschöpf, das nun himmelwärts flatterte, als ob es über die vergebliche Mühe kichere.

Das einzige Problem an der Sache – T. S. traut sich nicht, seine Eltern zu informieren und hat keine Ahnung, wie er nach Washington kommen soll. Also schleicht er sich eines Tages aus dem Haus, um sich – wie ein Hobo – per Zug an die Ostküste durchzuschlagen.

Alle schliefen, mit all ihren Gedanken und Hoffnungen und Plänen eingesponnen in eine Traumwelt, so dass die Welt hier draußen frisch und kalt und ungetrübt blieb wie eine Flasche Milch im Kühlschrank. Na ja, alle mit Ausnahme von Vater, der in ungefähr zehn Minuten aufstehen würde, wenn er nicht sogar schon auf den Beinen war.

Auf dem Weg dorthin taucht er in die Geschichte seiner Familie ein und findet heraus, dass bereits seine Ururgroßmutter Emma Osterville eine begabte Kartografin war. Während seiner Reise erfährt der Leser zudem einige Hintergrundinformationen zu T. S. Biografie und lernt zudem den Jungen und seine Eigenarten besser kennen.

Ich blieb noch im Badezimmer und zählte bis dreihundertundvier. Eine gute, sichere Zahl, fand ich. Ehrlich gesagt, ich wusste nicht, warum mir diese Zahl vernünftig vorkam. Wieso 304 und nicht einfach 300? Wir setzten uns im Kopf ständig solche willkürlichen Grenzen, und manche haben sich zu beliebten und erstaunlich beständigen Faustregeln entwickelt.

In Washington angekommen sorgt sein Alter, das er bis dahin verschwiegen hatte, zunächst für einigen Wirbel. Gleichzeitig lernt T. S. aber mit den Megatheriern auch eine Gruppe von Menschen kennen, die ähnlich wie er zu ticken scheinen und bei denen er sich aufgehoben fühlt.

Er geht von der Hypothese aus, dass die einzigartige Krümmung der Kontinentalplatte im Tal des Mississippi eine Art Schluckauf im Raum-Zeit-Kontinuum verursacht. Laut dieser Theorie erzeugt die spezifische Beschaffenheit des Felsuntergrunds in der Region in Kombination mit weiteren subatomaren Faktoren eine ungewöhnlich hohe Konzentration von Quantenschaum zwischen dem 41. Und 42. Breitengrad … und das führt natürlich zu häufigeren Abschnürungen und außergewöhnlichen Phänomenen.

Die Lektüre von “Die Karte meiner Träume” hat mir großen Spaß gemacht, auch wenn mich der letzte Teil nicht völlig überzeugen konnte. Insbesondere das Ende hätte ich mir anders gewünscht, weil für mich zu viele Fragen offen bleiben.

Nichtsdestoweniger ein tolles Buch und ein absoluter Geschenktipp.

Während ich auf Jibsen wartete, musterte ich die Kiste mit Gegenständen, die man Besuchern abgenommen hatte. Allzu gefährlich sahen sie eigentlich nicht aus: Handcreme, Getränkedosen, ein Sandwich mit Erdnussbutter und Gelee. Aber ich vermutete, Terroristen kennen Mittel und Wege, wie sie aus Handcreme eine Bombe basteln können.

Liebste Szene

Plötzlich vermisste ich die seltsamen Regalmuster in meinem Zimmer, die alten Bretter aus der Scheune, die sich unter dem Gewicht der Notizbücher bogen. Regale sind etwas sehr Persönliches, gewissermaßen der Fingerabdruck eines Zimmers.


        

Trailer

Verfilmung
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