Die Feuer von Murano: historischer Krimi von Giuseppe Furno

Inhalt

Anno 1569 erschüttert eine Explosion die bereits im Abstieg begriffene freie Republik Venedig. Mit dem osmanischen Reich ist schnell ein Schuldiger gefunden. Der Anwalt und Dogensohn Andrea Loredan soll Beweise für die Schuld der Türken sammeln und sieht sich schon bald mit einer ganzen Reihe mysteriöser Morde konfrontiert, die es aufzuklären gilt.

Alles war in der Zeitspanne eines einzigen Atemzugs geschehen, kurz vor Mitternacht. Von diesem kurzen Moment waren Andrea ein Blitz, das Beben, der Knall, dann der Wind und zuletzt die Hitze und die Flammen in Erinnerung geblieben.

Um den hinterhältigen Anschlag zu vergelten, rüstet die Serenissima zu einem blutigen Krieg, in dessen Verlauf sie nicht nur an Einfluss verlieren wird, sondern auch feststellen muss, dass  möglicherweise auch in den eigenen Reihen nach dem Schuldigen gesucht werden muss

Erster Satz

Vor zwei Jahren im September traf das hundert Meilen östlich von Great Abaco im Bahamas-Archipel entstandene tropische Tiefdruckgebiet Nummer elf, von der warmen Golfströmung nach Norden getragen, auf eine für die Jahreszeit verfrühte arktische Kaltfront.

Lesemotivation

Die Feuer von Murano kaufte ich auf der Frankfurter Buchmesse 2015, weil ich bislang noch keinen historischen Krimi gelesen hatte und sich die Geschichte interessant anhörte. Außerdem zählt Venedig zu meinen absoluten Lieblingsstädten, sodass ich mich darauf freute, ein wenig über die Geschichte der Serenissima zu erfahren.

Meinung

Giuseppe Furno versteht es, den Leser mit Hilfe seines bildhaften Schreibstils, sofort in das Venedig des 16. Jahrhunderts zu entführen. Der Roman startet hochdramatisch und spannend, sodass die ersten 100 Seiten nur so dahin flogen. Immer wieder konnte ich mich auch an besonders schön formulierten Sätzen und Szenen erfreuen (die sehr gut in die Zeit passten) und war begeistert von diesem Autor, der mir bis dato vollkommen unbekannt war.

Venedig dehnte sich auf dem geschliffenen Blau der Lagune aus, und die hundert Campanili über den roten Dächern wirkten wie Pfeiler, die den Himmel trugen.

Im weiteren Verlauf verlor die Geschichte leider immer mehr an Fahrt, die Furno aber stets wieder aufzunehmen versuchte, was ihm dank überraschender Wendungen auch noch einige Zeit gelang.

Bei der Lektüre besonders hilfreich waren die Karte im Anhang, dank der ich immer wusste, wo die Figuren sich gerade aufhielten, sowie der Annex, in dem genau die Begriffe erklärt wurden, die mir fremd oder unbekannt waren.

Endlich mal ein runder historischer Roman mit einer durchweg spannenden Handlung, der nicht so zäh daherkommt, wie einige andere Bücher des Genres, dachte ich mir.

Bis… ja, bis auch dieser Autor langsam in das gleiche Muster abzudriften schien, das mich an historischen Romanen (insbesondere solch dicken Schmökern) abschreckt. Nach ein paar Hundert Seiten begannen “Die Feuer von Murano” mich, durch eine Vielzahl neuer Personen, die ich nicht so recht zuordnen konnte, und langatmige Erläuterungen der politischen Ämter, leider immer mehr zu langweilen.

Zwischendurch taten sich ein paar Lichtblicke auf, die mich hoffen ließen, dass das Buch wieder zu seiner anfänglichen Stärke zurückfinden würde.

Der Alte spürte, wie er gepackt wurde. Eine unendliche Müdigkeit hatte sich seiner Seele bemächtigt. Im Grunde war das Sterben ein erträglicher Schmerz, die langersehnte Freiheit, eine einfache Bewegung. Es würde genügen, sich fallen zu lassen und ein wenig zu warten, dann würde er sie wiedersehen, und sie würde ihn mit einem Lächeln empfangen.

Als die Lichtblicke immer seltener und die Längen immer länger wurden, ließ auch meine Euphorie allmählich nach. Die Geschichte schien festgefahren, wollte sich nicht so recht weiterentwickeln und wurde – nach meinem Empfinden – unnötig in die Länge gezogen.

Irgendwo zwischen Seite 500 und 600 stieg ich dann völlig aus und fand leider nicht mehr so recht in das Buch hinein. Auch wenn die letzten 100 Seiten dann wieder spannender wurden und es fast schafften, mich erneut zu packen, war ich einfach nur froh, als ich nach fast 1000 Seiten endlich bei der Danksagung angekommen war.

Trotz guter Ansätze und einem fulminanten Start, schaffte der Autor es leider nicht, mich über den gesamten Roman hinweg bei Laune zu halten. Mehr noch, er hat mich als Leser nach etwa der Hälfte komplett verloren, was mir so noch nie passiert ist. Vielleicht war es nicht die richtige Zeit. Vielleicht war es aber auch einfach nicht mein Buch. Und auch wenn es mir um Giuseppe Furno, der zweifellos Schreibtalent hat, noch so leid tut, war dies bislang das schlechteste Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe.

Liebste Szene

Durch das Mittelschiff der Dogenkirche San Marco hallten viele Stimmen, die den Rosenkranz beteten. In allen Kandelabern, Leuchtern und Lüstern, Laternen und Öllampen vom Hochaltar bis zu den Seitenschiffen brannten Kerzen. Die unzähligen Flammen reflektierten sich in den vergoldeten Mosaiken, und ihre Wärme vermischte sich mit dem Weihrauch in der Luft zu einer kostbaren Essenz.

        
    

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