Der Trick: Roman von Emanuel Bergmann

Inhalt

Mosche Goldenhirsch ist hin und weg, als er im Zirkus den Auftritt eines Zauberers sieht. Auch er m√∂chte einmal Zauberer werden und das Publikum begeistern. Nach dem Tod seiner Mutter schlie√üt er sich dem Zirkus an und kommt so Anfang der 1930er Jahre nach Deutschland. Eine gef√§hrliche Zeit, insbesondere f√ľr einen zaubernden Rabbinersohn.

Max Cohn ist sich sicher, dass die Scheidung seiner Eltern ganz alleine seine Schuld ist. Da f√§llt ihm eine Schallplatte des “Gro√üen Zabbatini” in die H√§nde, auf der er von einem Liebeszauber spricht. Max m√∂chte diesen unbedingt erlernen, m die Ehe seiner Eltern zu retten, doch leider hat die Schallplatte an der entscheidenden Stelle einen Sprung. Der zehnj√§hrige rei√üt von zu Hause aus, um den Mann zu finden, dem er als einzigem zutraut, die Liebe seiner Eltern wieder herbeizuzaubern.

Erster Satz

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts lebte in Prag ein Mann namens Laibl Goldenhirsch.

Lesemotivation

Seit Erscheinen des Buches im Februar 2016 las ich immer wieder dar√ľber; ob in der Zeitung, im Internet oder den sozialen Medien. Alle waren begeistert von Emanuel Bergmanns Roman. Grunds√§tzlich misstraue ich B√ľchern, die derma√üen √ľberschw√§nglich gelobt werden. Der interessante Klappentext und die tolle Leseprobe konnten mich aber √ľberzeugen und mir wurde klar, dass auch ich dieses Buch fr√ľher oder sp√§ter w√ľrde lesen m√ľssen, um mir mein eigenes Urteil dar√ľber zu bilden. Als mir der Roman bei einem meiner letzten Buchhandlungsbesuche in die H√§nde fiel, kaufte ich ihn schlie√ülich.

Meinung

Emanuel Bergmann entf√ľhrt uns mit “Der Trick” in die Welt der Zauberei und versteht es dabei, mit seinem wunderbaren Schreibstil, eine wahre Wohlf√ľhl-Atmosph√§re zu erschaffen, in die sich der Leser einkuscheln kann, wie in eine weiche Decke. So entstand ein fesselndes und kluges Buch, das den Leser von der ersten Seite an in seinen Bann zieht und das mit viel Charme und Witz gespickt ist.

Dann sammelte er sich und verk√ľndete polternd: “Der Gro√üe Zabbatini ist der durchschnittlichste Zauberer, den die Welt je gesehen hat.”

Das klang doch recht beeindruckend, fand Max. “Wissen Sie, wo ich ihn finden kann?”

Bergmann verwebt in seinem Roman zwei Erzählstränge zu einem Ganzen.

Da ist Mosche auf der einen Seite. Der Sohn eines Rabbiners, der zwischen dem ersten und dem zweiten Weltkrieg in Prag aufwächst. Dort entdeckt er seine Liebe zur Zauberei, die ihn zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt nach Deutschland verschlägt, wo der Antisemitismus langsam aber sicher alle Gesellschaftsschichten zu durchdringen beginnt.

Und da ist Max auf der anderen Seite. Ein zehnj√§hriger Amerikaner, der wohlbeh√ľtet in Los Angeles aufw√§chst. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als seine Eltern ihm er√∂ffnen, dass sie sich scheiden lassen wollen. Ein Moment, der sein Weltbild ersch√ľttert und ihm die Naivit√§t der Kindheit auf einen Schlag zu rauben scheint. Doch dann findet er die Schallplatte eines Zauberers, dessen Liebeszauber Max dabei helfen k√∂nnte, die Scheidung seiner Eltern abzuwenden.

Mosche und Max verbindet die Faszination f√ľr die Zauberei. Aber auch eine herzzerrei√üende Naivit√§t, mit der sie der Welt begegnen und eine beneidenswerte Zuversicht, dass sich alles zum Guten wenden wird. Die Gef√ľhlsachterbahn des Lebens trifft beide dabei ebenso hart wie den Leser, der sich ‚Äď genau wie die beiden Protagonisten ‚Äď nur allzu gerne der Illusion einer heilen Welt hingeben w√ľrde.

Ginsky war z√§rtlich zu den Goldenhirschs, aber hart den Juden gegen√ľber. “Verzeihen Sie mir, meine liebe Frau Goldenhirsch”, sagte er. “Ich meine ja nicht Sie.” ” Das wei√ü ich doch”, sagte sie und l√§chelte sanft, wie es sich f√ľr eine Frau am Rande der Ausl√∂schung geh√∂rte.

Bereits durch den geschichtlichen Hintergrund ahnt man, dass das ‚Äď zumindest bei Mosche ‚Äď nicht lange gutgehen kann und er sich fr√ľher oder sp√§ter zwangsl√§ufig mit den Grausamkeiten der Menschheit wird auseinandersetzen m√ľssen.

“Du bist Jude”, sagte der SS-Mann. “Ein St√ľck Dreck bist du, mehr nicht. Vergiss das nie.”

Mosche nickte hilflos.

“Sag es”, befahl der SS-Mann.

“Ich bin ein St√ľck Dreck”, sagte Mosche.

“Du hast kein Recht zu leben.”

“Ich habe kein Recht zu leben.”

Liebster Satz

Wieder einmal stellte Max fest, dass f√ľr Erwachsene andere Regeln zu gelten schienen als f√ľr normale Menschen.

Fazit

“Der Trick” von Emanuel Bergmann ist seit Der Mann, der das Gl√ľck bringt das erste Buch, das einen wirklich bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat. Selten bin ich auf so viele tolle Textstellen gesto√üen (die sich sowohl um Seite 100, als auch um Seite 240 und Seite 350 herum extrem h√§ufen).

Dann ging er davon, bald hatte ihn der neblige Oktoberabend verschluckt. Und all die Lichter und zerbrochenen Träume des Hollywood Boulevards schimmerten in der Dunkelheit.

Gleichzeitig fiel es mir noch nie so schwer einen Anfang, geschweige denn die richtigen Worte, f√ľr meine Buchrezension zu finden. Als w√§re das nicht schon zwiesp√§ltig genug, hat mir bei all den positiven Gedanken und all dem Lob, das ich f√ľr dieses wirklich tolle Buch √ľbrig habe, das letzte Qu√§ntchen (man k√∂nnte es auch das gewisse Etwas nennen) gefehlt, um die volle Punktzahl zu vergeben.

Alles in allem ist Emanuel Bergmann mit “Der Trick” aber ein gro√üartiges Deb√ľt gelungen, das mir noch eine ganze Weile im Ged√§chtnis bleiben wird und das 9 von 10 Punkten mehr als verdient hat.


        

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