Der Mann, der das Glück bringt: Roman von Catalin Dorian Florescu

Inhalt

Großvater muss sich um die Jahrhundertwende als Waisenkind in New York durchschlagen. Über seine Herkunft weiß er nicht viel – vermutlich ist er das Kind von Einwanderern; vielleicht ist er aber auch ganz einfach vom Mond gefallen.

Um zu überleben verdingt er sich unter anderem als Zeitungsverkäufer und Schuhputzer, während er von einer Karriere als Sänger träumt.

Elena wächst in Rumäniens Donaudelta auf und wünscht sich nichts sehnlicher, als nach Amerika zu kommen. Als sie kurz vor ihrem Ziel steht, lässt eine Krankheit ihren Traum platzen und zerstört ihr ganzes Leben.

Irgendwann kreuzen sich die Wege von Großvaters Enkel und Elenas Tochter, die sich gegenseitig die faszinierenden Lebensgeschichten ihrer Familien erzählen.

Wenn die Welt nichts hergab, musste man sie eben auspressen.

Erster Satz

Der Fluss nahm die Toten sanft auf, als ob er wusste, dass es besondere Tote waren.

Lesemotivation

Die Leseprobe dieses Romans, der auf LovelyBooks verlost wurde, hatte mich dermaßen begeistert, dass ich sofort in die Buchhandlungen gehen und ihn kaufen wollte. Stattdessen nahm ich an der Verlosung teil und hatte Glück.

An dieser Stelle möchte ich LovelyBooks und C. H. Beck nochmals herzlich für das Leseexemplar danken!

Meinung

Mit wenigen Worten eine ganze Welt erschaffen, in die der Leser eintauchen kann, das können nicht viele Autoren. Florescu ist einer derer denen das gelingt. Und so war ich bereits nach wenigen Seiten – von einem grandiosen Schreibstil verzaubert – komplett in der Geschichte versunken. Stets hatte ich das Gefühl komplett in die Protagonisten hineinzuschlüpfen, durch deren Augen zu sehen und die Umgebung mit ihren Sinnen wahrzunehmen.

Die Abenteuer, der Hauptfiguren waren mal spannend, mal lustig, dann wieder dramatisch oder tottraurig aber jedes Mal überraschend und unvorhersehbar.

Nebenbei erfuhr ich geschichtliche Hintergründe, die mir bislang gänzlich unbekannt waren.

Liebste Szene

»Was tust du da?«

»Sprich leise, sonst verscheuchst du ihn.«

»Wen?«

»Den Graureiher. Ich schaue, wie lange er auf einem Bein stehen kann, ohne umzukippen.«

Fazit

Das beste Buch, das ich bisher in diesem Jahr gelesen habe.

Hier stimmt einfach alles. Eine packende und abwechslungsreiche Story, die den Leser durch ein Wechselbad der Gefühle führt trifft auf einen grandiosen Schreibstil, der es sowohl zu unterhalten als auch zu verzaubern vermag.

Noch nie hat ein Autor es geschafft, mich, durch die geschickte Auswahl von Worten, in meinem Lesetempo so dermaßen zu beeinflussen. Wurde es brenzlig, wurden die Sätze – genau wie die Worte – knapp. Bei Landschaftsbeschreibungen hingegen wurde weit ausgeholt, um den Leser zum Träumen zu bringen.

Man konnte sich an so viel Weite berauschen. Man hatte nur ein paar Stockewrke hochzusteigen, einige schmale, rutschige Treppen und dunkle Gänge, musste über einige schlafende Säufer hinwegsteigen, faulige, abgestandene Luft atmen, aber wenn man oben war, öffnete sich or einem der Himmel. Ein Himmel, an dem man zweifelte und den man vergaß, wenn man sich in den Straßen, Schächten und Innenhöfen der East Side bewegte. Dann stand man plötzlich oben, und es verschlug einem die Sprache…

Auch wenn ich mit dem abrupten Ende nicht so glücklich war, hat selten ein Roman meine (nach der Leseprobe ohnehin hohen) Erwartungen derart übertroffen.

Kein Wunder, dass Catalin Dorian Florescu in den letzten Jahren mit Preisen nur so überhäuft wurde. Die Kritiker hat er also schon überzeugt. Bleibt nur zu hoffen und ihm zu wünschen, dass bald auch noch mehr Leser auf diesen Autor aufmerksam werden.


        
    

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Ein Kommentar

  1. Hallo Sebastian!
    Schöne Rezension. Mich konnte Florescu mit diesem Buch auch voll und ganz überzeugen. Sicherlich nicht der letzte Roman von ihm, den ich lesen werde.
    Liebe Grüße, Heike (alias LibriHolly)

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