Der Eismann: Kriminalroman von Silja Ukena

Klappentext

Hauptkommissar Bruno Kahn ist genervt: Der Berliner Winter ist sibirisch kalt. Zudem reißen ihn zwei Todesfälle, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, aus seiner vorweihnachtlichen Trägheit. Ein Rentner aus Lichtenberg wird in seinem Schrebergarten auf grausame Art gefesselt und ermordet. Eine Opernsängerin stürzt aus ihrer Altbauwohnung. Der einsame Wolf Bruno Kahn würde am liebsten durch Berlin flanieren, um in Ruhe Witterung aufzunehmen. Doch seine Kollegin Laura Conti und der neue Workflow der 7. Mordkommission machen Kahns Alleingang einen Strich durch die Rechnung. Als schließlich die Presse Wind bekommt, scheint alles drunter und drüber zu gehen. Dann taucht eine dritte Leiche auf …

Erster Satz

Wenn sie sich auf die Zehenspitzen stellt, konnte sie den Garten ihres Nachbarn noch besser einsehen.

Meinung

Im winterlichen Berlin tauchen zwei Leichen auf, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Der Leser ahnt bereits, dass es eine Verbindung zwischen dem alten Mann und der Opernsängerin geben muss und ist gespannt, welch schmutzigen Geheimnisse die Kommissare, im Laufe ihrer Ermittlungen, zutage fördern werden.

Ein typischer Anfang für einen Krimi also.

Ebenso typisch ist Kommissar Kahn, der eigenbrötlerisch und brummig daherkommt und dessen unkonventionellen Ermittlungsmethoden seinen Vorgesetzten ein Dorn im Auge sind. Mit Laure Conti wird ihm eine toughe Kollegin zur Seite gestellt, die kontaktfreudig und stets gut gelaunt ist und damit das perfekte Gegenstück zu Kahn darstellt.

Schon nach wenigen Metern war er völlig durchgefroren. Es war einer dieser kostbaren, strahlende kalten Tage, deren Schönheit die Bewohner der Stadt für das unendliche Grau des restlichen Winter entschädigte.

Silja Ukena hat sich für ihren Krimi “Der Eismann” einen spannenden Plot überlegt, der spannendes Lesevergnügen verspricht und toll geschrieben ist. Die interessanten Haupt- und Nebenfiguren waren glaubwürdig und konnten mich absolut überzeugen.

“Hatten Sie vorhin nicht eine Sekretärin von diesem Hahn erwähnt?”, fragte Kahn.

“Ja, von ihr habe ich die Ansprechpartner in Moskau bekommen. Anscheinend hat sie hier in Deutschland für ihn die Termine koordiniert. Sie arbeitet in der Zentrale der Deutschland Bank.”

“Wir sollten noch einmal mit ihr sprechen. Über das Leben solcher Männer wissen Sekretärinnen meist besser Bescheid als die Ehefrauen.”

Einzig die Spannung, die einen guten Krimi ausmacht, wollte nicht so recht auf mich überspringen. Die Geschichte wollte nicht so wirklich in Fahrt kommen und dümpelte träge vor sich hin. Bei einer Länge von gerade einmal 380 hätte ich mit einem dichten Schreibstil ohne viel Schnickschnack gerechnet. Stattdessen schaffte die Autorin es, den Roman nach und nach zu verwässern und mit unnötigen Details auszuschmücken.

Die Wartezeit verbrachte er damit, vom Fenster aus die Kastanie im Hinterhof zu betrachten. Auf gleicher Höhe entdeckte er ein verfallenes Vogelnest, das ohne Boden in den Zweigen hing. Trauer befiel ihn. Um was, das wusste er nicht.

Warum den Kommissar in dieser Szene Trauer überfiel, weiß ich leider auch nicht. Ebenso wenig wie ich weiß, warum solche Sätze nicht einfach gestrichen werden, da sie weder die Handlung vorantreiben, noch etwas über die Beweggründe oder den Charakter der Figuren offenbaren. Zugute halten muss ich Silja Ukena, dass sich die Beobachtungsgabe und das Schreibtalent der Autorin in solchen Szenen erst so richtig entfalten und sie sehr behutsam in die Handlung eingeflochten sind. Für mich haben sie in einem Krimi dennoch nichts zu suchen.

Was mich noch störte, war der scheinbar unstillbare Hunger Kommissar Kahns. Wenn er nicht gerade Leute befragte, war er am Essen. Vorzugsweise natürlich bei seinem Lieblingsfranzosen, aber auch überall sonst, wo man ihm etwas anbot.

In diesem Moment klopfte es leise. Die Tür öffnete sich, die Frau des Pastors trat ein und brachte Tee und einen Teller Christstollen. “Essen Sie, Herr Kahn. Meine Frau ist in Sachsen gebürtig. So etwas Gutes bekommen Sie hier nirgendwo.”

Pflichtschuldig nahm Kahn eine Scheibe von dem Gebäck. Puderzucker fiel in satten Brocken herab. Er schmeckte Orangen, Korinthen und das zarte Aroma von Bittermandeln, aber er konnte es nicht genießen.

 Insgesamt ein zäher und enttäuschender Krimi, den man sich getrost sparen kann.

 Liebste Szene

So wie das Haus, dachte Kahn, für sein Alter ganz gut erhalten, und sonst lässt sich nichts weiter dazu sagen. Das war es, was von einem Leben übrig blieb. Ihn fröstelte.


        
    

Teilen
Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedintumblrmail

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.