Der Blogger: Krimi von Patrick Brosi

Inhalt

Im idyllischen Schwarzwald verschwindet ein Ruderer spurlos. Schnell verdichten sich die Hinweise, dass es sich bei dem Mann um den Blogger Ren├ę Berger handelt, der durch skandal├Âse Enth├╝llungen die ganze Pharmabranche gegen sich aufgebracht hat.

Die aufstrebende Online Zeitung “Berlin Post” setzt die junge Journalistin Marie Sommer auf ihn an. Es dauert nicht lange, bis sie in ein gef├Ąhrliches Spiel ger├Ąt, in dessen Verlauf sie sich mit ├╝berm├Ąchtigen Gegnern konfrontiert sieht und bald nicht mehr unterscheiden kann, wer Freund und wer Feind ist.

Erster Satz

Der junge Mann lie├č den Blick ├╝ber den See schweifen, dann trat er n├Ąher.

Lesemotivation

Aufmerksam wurde ich auf das Buch, als Ende letzten Jahres viele Zeitungen den Roman als “Krimi des Jahres” bezeichneten und ausf├╝hrlich vorstellten. Kurz vor Weihnachten bot Amazon das E-Book f├╝r nur 4,99 Euro an, sodass ich einfach zuschlagen musste.

Die Motivation es ausgerechnet jetzt zu lesen, war der Start meines eigenen Blogs vor ein paar Tagen. Zudem wollte ich sowieso mal wieder einen Krimi lesen. Da war das Timing einfach perfekt.

Meinung

Dieser Krimi hatte mich bereits von der ersten Seite an gepackt. Ich fand die Story interessant, die Handlung actionreich und den Schreibstil des Autors gro├čartig.

Patrick Brosi gelang es nahezu perfekt seinen Schreibstil den jeweiligen Situationen anzupassen. Kurze S├Ątze, um Spannung zu erzeugen und ausf├╝hrlichere (Landschafts)Beschreibungen, um die richtige Atmosph├Ąre aufzubauen.

Nur wenige Schriftstellern schafften es, mir ein ununterbrochenes Kopfkino zu bereiten. Er war definitv einer davon. Bei der Lekt├╝re des Romans hatte ich ├╝ber weite Strecken das Gef├╝hl im Kino zu sitzen und einen Film anzuschauen, so deutlich sah ich alles vor meinem inneren Auge.

Ein Beispiel daf├╝r war etwa der ├ťbergang vom ersten zum zweiten Kapitel:

(ÔÇŽ) sie zog den Schl├╝ssel heraus, ├Âffnete die T├╝r, ging hinauf in ihre Wohnung, schlug die T├╝r zu, ging im Dunkeln durch den Flur in die K├╝che, knipste das Licht an, zog die Besteckschublade auf und nahm das gro├če Kochmesser hinaus.

Sie setzte sich an den K├╝chentisch und strich mit dem Zeigefinger ├╝ber die Klinge.

 

┬╗KANNST DU EIN MAL aufh├Âren, mit dem Schei├čding herumzuspielen?┬ź

Bernhard warf seinem Partner vom Beifahrersitz aus einen beleidigten Blick zu, dann klappte er das Taschenmesser zu.

Ich konnte mir ganz genau vorstellen, wie ein Regisseur die Kamera auf Maries Finger gerichtet h├Ątte, die sanft ├╝ber die Klinge des K├╝chenmessers strich, um in der n├Ąchsten Einstellung Franks Finger zu zeigen, wie er ├╝ber das Taschenmesser gleitet.

Weitere Highlights waren die au├čergew├Âhnlichen Ideen des Autors, wie etwa einer Katze einen USB-Stick mit wichtigen Informationen um den Hals zu binden oder Informationen in einer kleinen Buddha-Statue zu verstecken, sowie eine Vielzahl unerwarteter Wendungen in der Geschichte, sodass auch der Leser irgendwann nicht mehr wusste, wem Marie vertrauen kann und wem nicht.

Besonders gut gefiel mir auch, wie der Kommissar nach einem Schlaganfall keine ├Ąu├čerlichen Reaktionen mehr zeigte, aber dennoch ganz genau mitbekam, was um ihn herum geschah.

Daf├╝r sagt mir das Ende des Romans weniger zu, das mir ein wenig zu vage blieb. Hier h├Ątte ich mir etwas mehr Klarheit ├╝ber das Schicksal und den Verbleib der Protagonisten erhofft. Aber das ist Geschmacksache.

Liebste Szene

┬╗Es tut mir leid, okay? Wir sollten unsere Freundschaft rebooten und wieder auf dem Stand von vor drei Wochen anfangen.┬ź

Marie musste lachen. ┬╗Ist das Nerdtalk f├╝r einen Neuanfang?”┬ź

┬╗Vermutlich.┬ź

┬╗Okay. Dann rebooten wir sie.┬ź

Fazit

Patrick Brosi ist mit “Der Blogger” ein gro├čartiger Roman gelungen, der eine spannende Geschichte erz├Ąhlt, die in eine tolle Landschaft gebettet und mit viel Lokalkolorit gespickt ist. Der Leser wird durch einen tollen Schreibstil von Anfang an in die Geschichte hineingezogen und bis zum Schluss gefesselt.

Bereits in den ersten Kapiteln geht es richtig zur Sache. Es werden Leichen zers├Ągt, in Lauge aufgel├Âst und in den Ausguss gekippt, w├Ąhrend sich nebenbei die Handlungsstr├Ąnge um Marie Sommer und Kommissar Nagel entwickeln.

Der Roman l├Ąsst sich aber auch von zartbesaiteten Gem├╝tern gut lesen, da wirklich schlimme Szenen nicht vorkommen. Durch die detailreichen Beschreibungen hat man hin und wieder nicht ganz so sch├Âne und weniger appetitliche Bilder vor Augen. Doch diese halten sich in Grenzen.

Die eine oder andere Szene h├Ątte ich pers├Ânlich vielleicht etwas rasanter oder ein wenig ruhiger konstruiert und das Ende etwas deutlicher formuliert, aber das sind allenfalls Kritikp├╝nktchen, die dem Lesevergn├╝gen keinen wirklichen Abbruch tun.


        

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