Den Haag: 3 Tage in der Stadt von Frieden und Recht

Anreise

Auto

Nachdem wir uns Samstags überlegt hatten, dass wir am darauffolgenden Wochenende einen Städtetrip machen wollten, fuhren wir Freitagabend mit dem Auto über die A6, A67 und A3 auf die niederländische Autobahn A12. Mit Zwischenstopps erreichten wir Den Haag in ca. 7 Stunden.

Die Stadt ist aber auch gut per Bahn, Flugzeug oder Fernbus zu erreichen.

Flugzeug

Der internationale Flughafen Rotterdam The Hague befindet sich 20 Kilometer südöstlich von Den Haag. In die Innenstadt dauert es von dort mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine knappe Stunde. Hierzu fährt man zunächst mit dem Bus der Linie 33 nach Rotterdam Centraal und steigt dort in den ICE in Richtung Den Haag Centraal. Der Preis hierfür beträgt derzeit 6,50 Euro. Alternativ kann man ab Rotterdam auch mit der Metro Linie E fahren und zahlt lediglich 4 Euro. Die Flugzeit nach Rotterdam The Hague beträgt von München 1:30 Stunden, von Berlin Tegel und Hamburg 1:20 und von Wien knapp 2 Stunden.

Auch der etwa 50 Kilometer nordöstlich gelegene Flughafen Amsterdam Schiphol besitzt eine Direktverbindung nach Den Haag. Von dort dauert es mit dem ICE oder Sprinter eine halbe Stunde nach Den Haag (teilweise mit Umstieg in Leiden), was aktuell 8,30 Euro kostet.

Die Flugzeit beträgt von Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg etwa eine Stunde, von Zürich, Stuttgart, München, Genf, Berlin und Basel 1:30 und von Wien 2 Stunden.

Bahn

Mit der Bahn fährt man zum Beispiel von Düsseldorf 3, von Köln 4, sowie von Frankfurt und Hamburg circa 6 Stunden. Mit etwas Glück findet man bei rechtzeitiger Buchung ein Europaspezial Angebot für 19 bis 39 Euro.

Fernbus

Wer für seine Reisezeit kein Angebot der Deutschen Bahn findet, kann auch mit dem Fernbus zu einem relativ günstigen Preis nach Den Haag fahren, was allerdings wesentlich länger dauert als per Bahn. Die Fahrtdauer beträgt dann von Bremen ungefähr 6, von Düsseldorf und Köln 6:30, von Hamburg 7:30, von Frankfurt 9 und von München 11 Stunden.

Unterkunft: The Student Hotel The Hague

Den Haag The Student Hotel The Hague
The Student Hotel

Über diverse Hotelvergleichsportale stießen wir nach einiger Recherche auf The Student Hotel, das gut bewertet war und für 179 € pro Doppelzimmer ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bot.

Außerdem lag es unweit des Bahnhofs Den Haag HS, sodass eventuellen Ausflügen in die Nachbarstädte (wie etwa Delft und Rotterdam) nichts im Wege stehen würde.

Auf der Homepage des Hotels kostete das Doppelzimmer lediglich 150 Euro. Zusätzlich wurden nochmals 20 % “Winter-Rabatt” angeboten. Für das Doppelzimmer zahlten wir also knapp 40 Euro pro Nacht. Nicht schlecht dafür, dass wir so kurzfristig gebucht hatten.

Ankunft

Gegen 2:30 in der Nacht kamen wir – nach 7 Stunden Autofahrt – völlig übermüdet in unserem Hotel an. Der Check-in klappte problemlos. Überaschenderweise war im Hotel, trotz nachtschlafender Zeit, einiges los. Erst da erkannten wir, dass im Hotel hauptsächlich Studenten zu wohnen schienen, die eine wilde Party feierten.

Wie ich bereits befürchtet hatte, konnte man in den Zimmern im ersten Stock – die sich direkt über der improvisierten Disko befanden – die Musik (wenn auch gedämpft) hören. Da wir zu müde waren, um uns darüber aufzuregen, redeten wir uns die Abstriche mit dem günstigen Preis schön und schliefen bald darauf ein. Die nächsten Nächte sollten dafür aber absolut ruhig werden. Wer einen leichten Schlaf hat sollte also nicht unbedingt an einem Freitag dort übernachten oder sich darüber im Klaren sein, dass es etwas lauter werden könnte.

Im Laufe unseres Aufenthalts fanden wir heraus, dass das Hotel hauptsächlich als eine Art Studentenwohnheim diente. Das Klientel war entsprechend jung und schien den ganzen Tag damit beschäftigt, in Laptops oder Bücher zu schauen.

Daher wohl auch der Name The Student Hotel.

Frühstück

Jeden Morgen von 7 – 11 Uhr wurde das Frühstück für 5,75 € in der Hoteleigenen Cafeteria serviert, zu der auch Nichthotelgäste Zugang hatten.

Inbegriffen war jeweils 1 großes Ciabattabrötchen mit Schinken, Käse oder Hühnchen, 1 Croissant, 1x Butter & 1x Erdbeerkonfitüre, 1 Ei, sowie 1 kleines Heißgetränk (Kaffee in allen Variationen oder Tee). Weitere Heißgetränke konnten für 2,50 – 3,50 Euro in der Cafeteria gekauft werden.

Da wir uns ein Frühstücksbuffet vorgestellt hatten, waren wir am ersten Morgen – nach nur 3 Stunden Schlaf – etwas enttäuscht. Man sagte uns, dass ein Buffet sich nur in der Saison von Juli – August lohne, wir uns aber gerne Obst, Gemüse etc. aus dem Supermarkt mitbringen könnten, was wir dann auch taten und fortan mit der Frühstückssituation recht zufrieden waren.

Zimmer

Das Hotel bietet drei verschiedene Zimmertypen an: ein Einzelzimmer mit 15 m², ein Doppelzimmer mit 18 m² oder eine Suite mit 22 m². Letztere enthält neben einem Doppelbett zusätzlich eine Küchenzeile mit Herdplatten, Mikrowelle, Spüle und Kühlschrank.

Für Aufenthalte über 2 Wochen oder gar ein ganzes Semester, werden zusätzliche Rabatte gewährt.

Sonstige Ausstattung

Neben den Zimmern und der großzügigen Cafeteria bietet das Hotel zahlreiche weitere Einrichtungen, wie ein Fitnessstudio, ein Basketballplatz, Fahrradverleih, Klassenräume, Bibliothek, Lernbereich, Lounge, Waschmaschinen & Wäschetrockner, sowie ein Unterhaltungs- und Spielebereich mit Tischfußball, Tischtennis, Piano usw.

Lage

Das Hotel befindet sich in der wijk Stationsbuurt und damit innerhalb des Stadtteils Centrum, etwa einen fünfminütigen Spaziergang vom Bahnhof Den Haag Hollands Spoor (HS) entfernt. Von dort fahren in regelmäßigen Abständen Nah- und Fernverkehrszüge in alle größeren Städte der Niederlande. Nach Amsterdam sind es in in etwa 45, nach Rotterdam 20 und nach Delft 10 Minuten.

Am Bahnhof HS befindet sich mit Albert Hejn auch ein großer Supermarkt, in dem wir uns täglich mit Reiseproviant wie Getränken, Obst und Sandwiches eindeckten. Durch das marokkanische Viertel und China Town sind es zu Fuß etwa 15 Minuten bis zur Altstadt mit ihren Sehenswürdigkeiten und den angrenzenden Shoppingarealen. Mit der Straßenbahn ist die Altstadt sogar in nur 5 Minuten zu erreichen.


Hotels in Den Haag finden

Reiseverlauf

 1. Tag: Stationsplein, Zentrum und Scheveningen

Am ersten Tag gingen wir auf gut Glück und ohne Plan los, da wir uns zunächst ein wenig mit der Stadt vertraut machen wollten. Von den Mitarbeitern der Hotelrezeption ließen wir uns den schnellsten Weg in die Innenstadt erklären (aus dem Hotel raus, zwei Mal rechts und dann immer geradeaus dem Stationsweg folgen).

Kaum waren wir um die erste Häuserecke gebogen, befanden wir uns bereits mitten im marokkanischen Viertel mit seinen köstlichen Bäckereien, Dönerbuden, sowie Obst- und Gemüseläden. Ich fühlte mich sofort nach Little Istanbul versetzt. Auch wenn dieses Viertel wesentlich kleiner war, als das mir Bekannte in Mannheim.

Wir folgten der Straße weiter, die eine langgezogene Kurve beschrieb und überquerten eine Gracht, nach welcher die Straße ihren Namen änderte und nun plötzlich Wagenstraat hieß.

Den Haag Gracht zwischen Stationsbuurt und Centrum
Diese Gracht bildet die Grenze zwischen der wijk Stationsbuurt und der wijk Centrum

Wir hatten die Stationsbuurt verlassen und die wijk Centrum betreten. Gleichzeitig schien es, als würde man eine neue Welt betreten. Denn statt marokkanischer Geschäfte und geschäftigem Treiben, säumten asiatische Läden die Straßen, auf denen es nun wesentlich ruhiger zuging. Bereits an der nächsten Kreuzung erspähten wir eines der chinesischen Tore, die den Eingang zu Chinatown markieren.

Von den Geschäften und Restaurants waren wir total begeistert. Denn hier fanden wir neben Restaurants mit sehr guter – und relativ preiswerter – asiatischer Küche und den obligatorischen Massagestudios auch etliche asiatische Supermärkte, in welchen etwa Gewürze unschlagbar günstig waren.

China Town
China Town

Hinter der Gedempte Gracht erwartete uns das zweite Chinesische Tor, an das sich nahtlos die Innenstadt anschloss. Wir blieben an den Schaufenstern des Kaufhauses De Bijenkorf hängen, in welchem es nur so funkelte und glitzerte und fanden uns plötzlich in der Grote Marktstraat mit ihren unzähligen Shoppingmöglichkeiten wieder.

Hier gab es tatsächlich für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas – von Haute Couture bis Alternativ. Zwischen den bekannten internationalen Ketten wie H&M, Mango, Zara & Co. mit welchen auch deutsche Innenstädte zugepflastert sind und schicken Boutiquen, fanden sich aber immer wieder interessante kleine Geschäfte und Ladenketten, die man in Deutschland selten oder gar nicht findet.

Die nächsten Stunden waren dementsprechend verplant.

Den Haag Shopping Grote Marktstraat
Grote Marktstraat

Von unserer Shoppingauszeit sind uns insbesondere folgende Geschäfte in Erinnerung geblieben:

  • TANQS.IT – Damenbekleidung. Jeds Teil kostet zwischen 19,95 Euro und 39,95 Euro ohne dabei billig auszusehen. Das Kleid, das meine Freundin dort gekauft hatte, wird zum Beispiel im Schnitt auf 100 Euro geschätzt.

    Den Haag Shopping TANQS.IT
    TANQS.IT
  • De Tuinen – eine Mischung aus Drogeriemarkt und Reformhaus, in der es vor allem Biokosmetik, aber auch Sportlernahrung zu kaufen gibt.
  • Drogisterij van der Gaag – alteingesessene Apotheke, die bereits seit 1796 existiert und durch ihr auffälliges Äußeres besticht

    Den Haag Drogisterij van der Gaag
    Drogisterij van der Gaag
  • Haagsche Bluf – in dem kleinen Gebiet zwischen Nieuwestraat, Vlamingstraat, Venestraat und dem Dagelijkse Groenmarkt haben wir einige Schätze gefunden. Auch die vorgenannte Drogisterij van der Gaag und De Tuinen befinden sich in diesem Areal.
  • Diverse Antiquitätenläden – insbesondere in der Noordeinde mit schönen Möbeln und Einrichtungsgegenständen
  • The Sting – stylishe Bekleidung diverser Marken zu moderaten Preisen.
  • De Bijenkorf – Kaufhaus für den dickeren Geldbeutel.
    Den Haag Sting
    The Sting

     

  • Marks & Spencer – die gehobenere Variante von Woolworth
  • Pull & Bear – spanische Modekette, die – wie Zara – ebenfalls zu Inditex gehört und eher lässige Mode zu ebenfalls moderaten Preisen anbietet.
  • Marqt – niederländische Version von Alnatura
  • Ici Paris – niederländische Ausgabe von Douglas
  • etos – niederländischer Drogeriemarkt á la Rossmann, dm & Co.

Nachdem die Einkaufstüten ins Hotel gebracht waren, gönnten wir uns eine Kaffeepause in der Coffeecompany Noordeinde (wo es für uns den besten Kaffee der Stadt gab und deren Filialen glücklicherweise über ganz Den Haag verstreut waren), um uns ein wenig zu stärken und das weitere Vorgehen zu besprechen. Wir einigten uns auf ein wenig Sightseeing und beschlossen aufgrund des schönen Wetters anschließend ans Meer zu fahren.

Den Haag Coffecompany Nordeinde
Kaffee aus der Coffeecompany Nordeinde

Sehenswürdigkeiten

Königlicher Palast (Paleis Nordeinde)

Den Haag Palast Nordeinde
Paleis Nordeinde (Königlicher Palast)

Neben dem niederländischen Parlament, hat auch das Königshaus ihren Sitz in Den Haag, dessen Amts- und Arbeitssitz sich im Paleis Nordeinde befindet. Das im 16. Jahrhundert erbaute klassizistische Gebäude in der Den Haager Innenstadt kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Der Palast ist öffentlich nicht zugänglich. Lediglich der direkt angrenzende Park (Paleistuin), ist auch für Besucher geöffnet. Nur wenn die niederländische Fahne auf dem Dach weht und somit der König im Palast weilt, bleibt auch der Park des Paleis Nordeinde für Besucher geschlossen.

Königliche Stallungen (Koninklijke Stallen)

Die königlichen Stallungen am Hogewall 17 grenzen unmittelbar an den Paleistuin. Dort sind die Pferde und Kutschen des Königshauses untergebracht, darunter auch die berühmte goldene Kutsche, die bei königlichen Hochzeiten und dem Prinsjedag zum Einsatz kommt. Wie der Palast, sind auch die Stallungen leider nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Allerdings kann über das Tourismusbüro eine Rundfahrt in der Kutsche gebucht werden.

Friedenspalast (Vredespaleis)

Den Haag Friedenspalast 1
Vredespaleis (Friedenspalast)

Das Neoklassizistischen Gebäude in Den Haags Diplomatenviertel (wijk Zeeheldenkwartier oder Zeeheldenbuurt), das zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Den Haags zählt, beherbergt neben dem Internationalen Gerichtshof der UNO (IGH) auch den Ständigen Schiedshof und die Internationale Akademie für Völkerrecht. Er beherbergt außerdem eine der weltweit bedeutendsten Bibliotheken zum Thema Völkerrecht.

Realisiert werden konnte der 1913 eröffnete Backsteinpalast dank einer großzügigen Spende des amerikanischen Millionärs Andrew Carnegie, sowie der Beteiligung vieler Länder der Welt. So spendete etwa Italien Marmor für die Flure, Brasilien und die USA Holz für die Wandvertäfelungen, Deutschland Stahl für den Schmiedeeisernen Zaun, Japan Porzellan und die Schweiz Uhren.

Scheveningen – Ausflug ans Meer

Nach Besuch des Friedenspalasts stiegen wir an der Haltestelle Vredespaleis in die Straßenbahn der Linie 1, um nach Scheveningen zu fahren und ein wenig Meerluft zu schnuppern. An der Endhaltestelle Zwarte Pad, die direkt an den Ostduinpark und einen Aussichtspunkt angrenzt, stiegen wir aus.

Nach einem Abstecher an den kilometerlangen Strand ging es an die Strandpromenade, wo jedoch die meisten Geschäfte und Lokale geschlossen waren. Dennoch konnten wir uns bildhaft vorstellen, was am meistbesuchten Strand der Niederlande im Sommer los sein musste.

Den Haag Scheveningen Strand 1
Strand von Scheveningen

Scheveningen kam uns nicht vor wie ein Stadtteil von Den Haag, sondern eher wie ein kleiner Badeort, der von sämtlichem Großstadttrubel kilometerweit entfernt schien.

Der Strand führte uns an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, wie dem Kurhaus, dem Sea Life und dem Museum Beelden an Zee, das für Freunde von Skulpturen (von welchen ein paar direkt an der Strandpromendade begutachtet werden können) ein absolutes Muss ist.

Von dort aus war es dann auch nicht mehr weit in die Keizerstraat. Die mit ihren Kneipen und kleinen Lädchen die Hauptstraße Scheveningens bildet.

Zu Fuß ging es über den Scheveningse Weg und die Scheveningse Bosjes in gut einer halben Stunde zurück an den Friedenspalast.

Den Haag Scheveningen Kurhaus
Kurhaus von Scheveningen

Tagesausklang

Da es bereits recht spät geworden war, schauten wir uns nach einem Restaurant um, in dem wir den Tag ausklingen lassen konnten. Uns fehlte nach einem tollen, aber anstrengenden erste Tag sowohl die Lust, als auch die Kraft, uns noch mit so unwichtigen Dingen wie der Nahrungsaufnahme zu befassen und da uns am Morgen – auf dem Weg vom Hotel in die Innenstadt – das Restaurant Woeng Kee in der Gedempte Gracht aufgefallen war, beschlossen wir, dorthin zu gehen.

Im Endeffekt stellte Woeng Kee sich als echter Glückstreffer heraus! Und so aßen wir in Den Haags China Town sowohl preiswert als auch ziemlich lecker. Definitiv eines der besten Chinarestaurants in denen ich je gewesen bin.

Den Haag Asiatisch Woeng Kee
Curry im Restaurant Woeng Kee in Den Haags China Town

2. Tag – Altstadt und Neustadt

Auch der zweite Tag startete um 7 Uhr morgens mit einem Frühstück in der Hotel-Cafeteria. Wir hatten uns den Vorschlag der Angestellten zu Herzen genommen und uns Gemüse und Joghurt mitgebracht, um den leckeren Brotkorb noch ein wenig aufzumotzen.

Gegensätzlicher hätten unsere geplanten Tagesziele kaum sein können. Zum einen wollten wir die ältesten Stadtviertel um den Binnenhof und den Plein erkunden, zum anderen die modernen Wolkenkratzer rund um den Hauptbahnhof Den Haag Centraal.

Sehenswürdigkeiten

Binnenhof

Den Haag Binnenhof
Rittersaal im Binnenhof

Bereits seit 1446 versammelt sich in dem mittelalterlichen Gebäudekomplex das Parlament der Niederlande. Erbaut im 13. Jahrhundert ist es vermutlich das älteste Gebäude der Stadt. Bis heute beherbergt es beide Kammern des niederländischen Parlaments.

Die erste Kammer ist mit dem deutschen Bundesrat, die zweite Kammer mit dem deutschen Bundestag vergleichbar.

Mittelpunkt des Binnenhofes bildet der im gotischen Stil erbaute Rittersaal, der als Festsaal erbaut wurde und in dem der Thron des niederländischen Staatsoberhauptes steht.

Mauritshuis

Mauritshuis

Das im 17 Jahrhundert als Stadtschloss eines holländischen Grafen errichtet, beherbergt das Mauritshuis mit der Königlichen Gemäldegalerie heutzutage eines der wichtigsten Kunstmuseen Europas. Der Schwerpunkt der 800 Gemälde, 50 Miniaturen und 20 Statuen liegt dabei auf den flämischen und niederländischen Malern des 17. Jahrhunderts. Darunter großartige und beeindruckende Bilder von Jan Vermeer (“Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge”, “Ansicht von Delft”, “Diana mit ihren Gefährtinnen”), Carel Fabritius (“Der Distelfink”), Jan Brueghel der Ältere und Peter Paul Rubens (“Paradiesdarstellung mit Sündenfall”, “Alte Frau und Junge mit Kerze”), Paulus Potter (“Der Stier”), Rembrandt van Rijn (“Die Anatomie des Dr. Tulp”, “Die Lobpreisung Simeons”, “Zwei junge Afrikaner”, “Selbstbildnis”, “Bildnis eines älteren Mannes”) und Jan Steen (“Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen”, “Der Zahnzieher”).

Den Haag Mauritshuis Vermeer Mädchen mit Perlenohrring
Jan Vermeer – Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge

Auch wenn wir das Museum nach einer knappen Stunde wieder verließen, hat es uns sehr gut gefallen. Für die 14 Euro Eintritt hätte ich mir persönlich etwas mehr erhofft; für meine Begleitung, die ein absoluter Museumsmuffel war, hatte es hingegen genau die richtige Größe. Worüber ich mich allerdings maßlos ärgerte (und was aus meiner Sicht überhaupt nicht ging), war die Beleuchtung der Räume, denn einige Bilder wurden so blöd angestrahlt, dass man sie aus keinem Blickwinkel richtig erkennen konnte).

Plein

Den Haag Plein Skyline Nebel (2)
Plein mit nebelverhangener Skyline der Neustadt im Hintergrund

Wunderschöner Platz mit toller Aussicht auf die Skyline des Bahnhofsviertels. Etliche Cafés und Bars laden zum Essen und Trinken ein (nicht nur am Abend, wo die Hölle los ist, sondern auch als Zwischenstopp nach einem Shopping-Marathon oder (wie in unserem Fall) nach einem Museumsbesuch.

Passage und de Plaats

Den Haag Shopping Passage (1)
Shopping auch bei schlechtem Wetter – De Passage

Vom Plein gelangten wir über die Lange Poten und die Spuistraat zur Passage, wo wir eine Weile bummelten. Von der Spuistraat wird die Passage in einen normalpreisigen und einen Teil mit Geschäften der höheren Preisklasse geteilt. Letzterer erinnerte mich sofort an die Galleria Vittoria Emanuele II in Mailand.

Den Haag Shopping Spuistraat
Spuistraat

Anschließend tranken wir auf dem Plaats gemeinsam einen Kaffee. Von einem einheimischen Paar erfuhren wir, dass dort früher die Hinrichtungen verurteilter Verbrecher stattfanden und Vincent van Gogh dort in einer ehemaligen Kunsthandlung (Haus Nr. 14) arbeitete.

Nach der Kaffeepause trennten sich unsere Wege. Ich machte mich auf den Weg ins Bahnhofsviertel, wo ich unbedingt das Letterkundig Museum besuchen wollte, während meine Reisebegleitung sich ins Shoppinggetümmel stürzte.

Bahnhofsviertel rund um Den Haag Centraal – das moderne Den Haag

Den Haag Frieden und Recht
Stadtwappen vor dem neuen Rathaus

Vom Spui kam ich als erstes am Glaspalast des neuen Rathauses (Nieuwe Stadhuis) und der beeindruckenden Bibliothek vorbei. Der Gebäudekomplex, den die Den Haager liebevoll Ijspaleis (Eispalast) nennen, besticht zudem mit dem größten Atrium der Niederlande, in dem regelmäßig Ausstellungen stattfinden.

Anschließend befand ich mich in dem Resident genannten Viertel wieder, dessen Wolkenkratzer die moderne Skyline Den Haags bilden und neben Büros auch diverse Ministerien beherbergen. Für die von diversen internationalen Architekten entworfenen Gebäude haben sich die Bewohner Den Haags lustige Namen wie “Stimmgabel” (Muzentoren), “Füller” (Hoftoren) und “Zitruspresse” (Zurichtoren) erdacht.

Mit leichten Nackenverspannungen ging ich einmal quer durch den Hauptbahnhof Den Haag Centraal, wo mich am Anna van Buerenplein bereits die ganz in weiß gehaltenen Gebäudekomplexe des National Archivs (National Archief) und des niederländischen Instituts für Kunstgeschichte (RKD Netherlands Institute for Art History) empfingen, in dem das Letterkundig Museum im ersten OG direkt gegenüber der königlichen Bibliothek (Koninklijke Bibliotheek )untergebracht ist.

Freundlicherweise wies die Dame an der Kasse mich darauf hin, dass die gesamte Ausstellung in Niederländisch gehalten ist, was mich aber nicht davon abhielt, eine Eintrittskarte zu kaufen. Zum Glück, denn was mich erwartete übertraf meine Erwartungen bei weitem.

Letterkundigmuseum
Letterkundigmuseum

Das Museum ist in mehrere Bereiche aufgeteilt, von denen die Kinderabteilung den größten Teil einnimmt. Hier wird bereits den kleinsten Literatur auf spielerische Art und Weise näher gebracht. Auch ich bekam direkt Lust, die einzelnen Räume mit vielen Kinderbuchhelden zu durchschreiten. Desweiteren gibt es eine Übersicht der bedeutendsten niederländischen Schriftsteller der letzten 300 Jahre samt deren Lebensgeschichten als Audiodateien, Auszüge aus den Originaltexten bekannter niederländischer Schriftsteller wie etwas Simon Vestdijk (“Das fünfte Siegel”, “Die Fahrt nach Jamaica”, “Der kupferne Garten”), Jan Wolkers (“Türkischer Früchte” bzw. in der neuen Übersetzung “Türkischer Honig”) und Louis Couperus (“Die stille Kraft”, “Die langsamen Linien der Allmählichkeit”, “Die Bücher der kleinen Seelen”), eine Übersicht verschiedener Literaturgattungen, eine Gemäldegallerie, sowie die Biographien inklusive Originaldokumenten von z. B. Edgar du Perron und Henk van Woerden runden die Ausstellung ab. Einigen Schriftstellern wurden gar ganze Räume gewidmet, von denen mich der von Harry Mulisch (“Das steinerne Brautbett”, “Das Attentat”) am meisten beeindruckt hat.

Anschließend traf ich meine Reisebegleitung im großartigen Café “Swags Central” wieder. Dort aßen wir den besten Kuchen der Stadt, mit dem wir uns stärkten, um uns gemeinsam ins Shoppinggetümmel zu stürzen.

Den Haag Kuchen
Kuchenauswahl im Café “Swags Central”

Ziemlich fertig, aber glücklich, schleppten wir nach Ladenschluss unsere Beute ins Hotel, wo wir uns auf das Abendessen vorbereiteten, das wir im “Restaurant Ourika” unweit unseres Hotels einnahmen. Hier schmeckte uns vor allem der marokkanische Minztee, aber auch die Fleischspieße vom Grill waren sehr lecker.

Den Haag Marokanisches Essen (1)
Fleischspieße mit Kartoffeln und Gemüse im Restaurant “Ourika”

Tag 3: Ausflug nach Delft

Auch am dritten Tag waren wir pünktlich um 7 Uhr beim Frühstück, damit wir aus unserem Abreisetag noch das maximale rausholen konnten. Allerdings waren wir uns uneinig, wie wir diesen Tag gestalten sollten.

Ich wollte gerne noch ins Madurodam, zum Haagse Markt und in ein oder zwei Museen, sowie in die Skybar des “Bügeleisen” genannten Haagse Toren.

Meine Reisebegleitung hingegen wollte gerne noch Delft sehen, die von der Stadt bereits vieles gehört hatte und die auch im Reiseführer als besonders sehenswert angepriesen wurde.

Und, was soll ich sagen: natürlich gewann die Dame.



Booking.com

Also machten wir uns nach dem Frühstück auf den kurzen Weg zum Bahnhof Den Haag HS, von wo wir für 4,40 Euro (Tagesticket) mit dem Zug etwa 15 Minuten nach Delft fuhren.

Ein kurzer Spaziergang vom Bahnhof Delft Centraal und wir befanden uns mitten in der pittoresken Altstadt mit ihren wunderschönen Grachten, engen Gassen und uralten Häusern.

Delft Gracht
Gracht in Delft

Schon von weitem konnten wir die Nieuwe Kerk sehen, in deren Gruft bislang 46 Mitglieder des Hauses Oranje ihre letzte Ruhestätte gefunden haben und von deren Turm man einen großartigen Ausblick haben soll (leider war dieser bei unserem Besuch geschlossen).

Delft Nieuwe Kerk
Nieuwe Kerk

Doch bevor wir dorthin kamen, folgten wir zunächst dem Binnenwatersloot, wo wir an der nächsten Kreuzung einen tollen Blick auf die im 13. Jahrhundert erbaute Oude Kerk hatten, in der sich u. a. das Grabmal des Malers Jan Vermeer befindet. Ihr schiefer Turm (im Volksmund Oude Jan genannt), der das Wahrzeichen Delfts ist, sah wie ein alter, von der Zeit gebeugter Mann aus, der tapfer versucht die Stellung zu halten.

Delft Oude Kerk
Oude Kerk

Vorbei an wunderschönen und teilweise sehr prachtvollen Backsteinhäusern, kleinen Geschäften und gemütlichen Restaurants, gelangten wir, nach einem kurzen Abstecher zur Oude Kerk und dem kleinsten Museum der Welt (das sich in einer Telefonzelle befindet), schließlich zum Marktplatz, wo sich die Nieuwe Kerk und das Rathaus (Stadhuis) gegenüberstanden, wie zwei Rivalen, die miteinander um die Gunst der Touristen konkurrieren. Die Häuser um den Markt mit ihren unzähligen Restaurants und Bars, wirkten dabei wie stille Beobachter, die den Touristen bereitwillig Sitzmöglichkeiten anboten.

Delft Rathaus
Rathaus (Stadhuis)

Da montags, wie in vielen anderen holländischen Städten, der Großteil der Geschäfte erst gegen 13 Uhr öffnete, meine Reisebegleitung aber plötzlich keine Lust mehr hatte, solange zu warten, fuhren wir bereits nach wenigen Stunden mit dem Wunsch nach Den Haag zurück, eines Tages in dieses besondere Städtchen zurückzukehren.

Wenn auch nicht unbedingt an einem Montag.

Grote Markt, Voorhout und Willemspark – die letzten Stunden in Den Haag

Zurück in Den Haag, gingen wir zunächst zum Grote Markt, um uns in einem der Cafés zu stärken, um anschließend noch ein wenig durch die Stadt zu schlendern und weitere Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Über die Schoolstraat mit ihren kleinen Geschäften, die unter anderem günstige Kleidung anboten, gelangten wir zunächst zur Grote Kerk bzw. Sint Jakobskerk, welche vielen bekannten Persönlichkeiten Den Haags als Grabkirche diente. Über den Dagelijkse Groenmarkt kamen wir am alten Rathaus (Het Oude Stadhuis) vorbei und befanden uns plötzlich vor der Drogisterij van der Gaag und damit in bekannten Gefilden wieder.

Den Haag altes Rathaus
Altes Rathaus (Het Oude Stadhuis)

Da wir in einem Reiseführer von der Lange Voorhout als Flaniermeile gelesen hatten, machten wir uns auf den Weg dorthin, weil das nach einem guten Abschluss unseres verlängerten Wochenendes klang. Als wir die breite, von Linden gesäumte Straße entlang schlenderten, fühlten wir uns mit einem Mal wie in einer anderen Welt.

Den Haag Lange Voorhout
Lange Voorhout (© pisces2386 / Shutterstock)

Der Verkehr wurde ruhiger, die Häuser eleganter und wir entdeckten weitere interessante Sehenswürdigkeiten, wie die Klosterkirche (Kloosterkerk) als ältestes Gotteshaus der Stadt, das altehrwürdige Hotel des Indes – eines der ersten Tophotels Den Haags, das bis heute einen prächtigen Eindruck macht und ausgezeichneten Tee servieren soll.

Den Haag Hotel des Indes
Das Hotel des Indes – eines der ältesten Tophotels Den Haags

Schließlich bogen wir in den Denneweg ein, wo es uns zwischen kleinen Lädchen, urigen Restaurants und hippen Bars sofort sehr gut gefiel. Ein wenig bedauerten wir, dieses Kleinod nicht schon früher entdeckt zu haben und flanierten bis zur Frederikstraat,, ehe wir ins Hotel zurückkehrten, um unsere Sachen zu packen und uns auf die Heimreise zu machen.

Auf einen Blick – Die Fakten

Einwohner: ca. 500.000

Stadtteile: 8 Bezirke (stadsdelen) unterteilt in 50 Stadtteile (wijken)

Währung: Euro

Öffentliche Verkehrsmittel: Da die meisten Sehenswürdigkeiten sehr zentral gelegen und fußläufig gut erreichbar sind, ist man – je nach Lage des Hotels – nicht unbedingt auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Wer dennoch seine Füße etwas schonen möchte, kommt dank des gut ausgebauten Straßenbahnnetzes bequem in alle Stadtbezirke. Eine einfache Fahrt kostet 3,50 Euro. Eine Tageskarte 6,50 Euro und eine 3-Tages-Karte 16,50 Euro. Günstiger wird es mit der OV-chipkaart, die einmalig 7,50 Euro kostet und mit einem beliebigen Betrag aufgeladen werden kann. Inhaber der Karte erhalten auf jede Fahrt einen Rabatt. Die Fahrt von Scheveningen nach Delft kostet dann etwa nur noch 2,95 Euro. Die Fahrt vom Hauptbahnhof in die Innenstadt (etwa zum Grote Markt) nur noch einen Euro.

Schönster Stadtteil (wijk): Centrum – hier befinden sich die meisten Sehenswürdigkeiten wie das Paleis Noordeinde, der Binnenhof, der Gevangenpoort, die Nieuwe Kerk, das Oude Stadhuis und das Mauritshuis, die Einkaufsmeilen um Grote Marktstraat und Spuistraat, sowie die quirlige Chinatown.

Optimale Reisedauer: 3 – 5 Tage (im Sommer auch länger)

Ausflugsziele: Lisse (Keukenhof zur Tulpenblüte Ende März bis Mitte Mai), Leiden, Gouda, Delft, Rotterdam, Dordrecht

Und beim nächsten Besuch?

Durch unseren Abstecher nach Delft hatten wir leider nicht mehr die Zeit den Haagse Markt oder Madurodam zu besuchen, wie ich es mir gewünscht hätte. Auch das Panorama Mesdag, die Galerij Prins Willem V und das Museum Meermanno hätten mich noch gereizt. Ebenso The Penthouse, die höchstgelegene Bar der Niederlande von deren Terasse man einem 46 Kilometer-Blick haben soll.

Zumindest habe ich so noch ein paar Gründe, dieser tollen Stadt einen weiteren Besuch abzustatten; denn die stad van vrede en recht hat mir sehr gut gefallen und das verlängerte Wochenende hat sich mehr als gelohnt. Und wer weiß, vielleicht bleibe ich dann noch ein oder zwei Tage länger, hänge noch einen Besuch in Delft und Rotterdam an oder genieße ganz einfach den kilometerlangen Strand bei einem Badeurlaub.

Denn eines steht für mich fest: Den Haag – ich komme gerne wieder!

Folgende Reiseführer haben mich auf meiner Reise begleitet:

        
    

 


        
    

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