Budapest: 4 Tage in der Donaumetropole

Anreise

Flugzeug

Aus Deutschland, Österreich und der Schweiz lässt sich Budapest am bequemsten per Flugzeug erreichen. Die großen Flughäfen aller drei Länder unterhalten regelmäßige Verbindungen in die Hauptstadt Ungarns. Die Flugzeit beträgt in der Regel unter 2 Stunden. Von München aus sogar nur etwas über eine und von Wien aus circa eine Dreiviertelstunde.

Der internationale Flughafen Budapest Liszt Ferenc (Budapest Liszt Ferenc Nemzetközi Repülőtér) befindet sich im südöstlichen XVIII. Bezirk der Donaumetropole, etwa 20 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln (etwa mit der Schnellbuslinie 200E und anschließendem Umstieg in die Metrolinie M3) dauert die Fahrt zum Westbahnhof (Nyugati pályaudvar) etwa eine Stunde. Mit dem Zug und dem Taxi muss man circa ein halbe Stunde Fahrzeit einplanen.

Fernbus

Von vielen deutschen Großstädten fahren auch regelmäßig Fernbusse nach Budapest. Allerdings dauert die Fahrt mindestens 10 Stunden und ist meist nicht wesentlich günstiger als ein Flug oder ein Zugticket. Wer dennoch gerne mit dem Bus reist, benötigt von Berlin und Köln etwa 15, von Hamburg 20 und von Dresden und München knapp 10 Stunden.

Lohnend ist die Fahrt etwa von Wien, von wo man nur etwa 3,5 Stunden benötigt und – mit etwas Glück – nicht einmal 15 Euro für die Fahrkarte zahlt.

Bahn

Nach langem hin und her überlegen, entschieden wir uns für die Bahn. Einer Freundin, die unter Flugangst leidet war das natürlich Recht, aber auch wir vier anderen waren von der Idee überzeugt, nachdem ein Flug – selbst mit der Billigairline Wizzair – um einiges teurer gewesen wäre.

Also fuhren wir am Karfreitag früh morgens um 1:30 los und begaben uns auf eine knapp dreizehnstündige Bahnfahrt, die uns allen im Vorhinein gehörigen Respekt einflößte.

Zum Glück verlief aber alles nach Plan. Auf der Fahrt nach München konnten wir ein wenig Schlaf nachholen und uns dort – dank eines einstündigen Aufenthaltes – mit einem ausgiebigen Frühstück stärken. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir nicht einmal die Hälfte hinter uns und konnten uns nicht vorstellen, wie wir die restlichen 7,5 Stunden Bahnhfahrt überstehen sollten. Glücklicherweise lernten wir im Railjet eine ungarische Studentin kennen, die uns viele Tipps und wertvolle Informationen zu ihrer Heimatstadt und deren Sehenswürdigkeiten geben konnte. Dadurch wurde auch die letzte Etappe unserer Anreise einigermaßen erträglich, wobei für einen Teil unserer Reisegruppe feststand – per Zug nach Budapest? Nie wieder!

Wer es trotzdem einmal ausprobieren möchte, benötigt von Berlin, Köln, Basel und Zürich  etwa 12, von Hamburg circa 13 und von Stuttgart und Frankfurt 10 Stunden. Von Salzburg dauert die Bahnfahrt etwa 6 und von Wien knapp 3 Stunden.

Unterkunft: Elit Hotel

Zu unseren Reisedaten war das Elit Hotel eine der preiswertesten Unterkünfte in Budapest. Zwar lag es etwas außerhalb, dafür aber nicht weit vom Ostbahnhof (Keleti pályaudvar) entfernt. Ein paar zentrumsnähere Hotels zu etwas höheren Preisen waren ebenfalls in der engeren Auswahl. Da wir nach einem halben Tag im Zug aber keine Lust hatten, noch großartig durch die Stadt zu gondeln, um unser Hotel zu beziehen, entschieden wir uns für diese 3-Sterne-Unterkunft in der Rákóczi út 67.

Für 2 Doppelzimmer und 2 Einzelzimmer zahlten wir knapp 620 Euro.

Ankunft

Am frühen Nachmittag kamen wir glücklich, aber ziemlich müde, in Budapest an. Das Hotel fanden wir ohne Probleme (vom Ostbahnhof einfach immer der Hauptstraße folgen; es liegt unmittelbar neben ALDI).

Die Verständigung auf Englisch funktionierte ebenfalls problemlos (ein Mitarbeiter sprach sogar Deutsch) und die Zimmer waren schnell bezogen. Leider ging eines der Einzelzimmer in den (zwar wunderschönen, aber stark frequentierten) Innenhof hinaus, durch den alle Hotelgäste mussten, wenn sie in ihr Zimmer wollten. Die Freundin, die dort übernachtete, fand in der ersten Nacht kaum Schlaf, gewöhnte sich aber schnell an den nächtlichen Geräuschpegel.

Ansonsten boten die Zimmer alles was man so brauchte. Vom eigenen Badezimmer, über Handtücher und einen Kühlschrank bis hin zu Föhn und Kosmetikartikeln. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmte.

Frühstück

Jeden Morgen von 7 – 10 Uhr wurde das Frühstück für 5 € pro Person und Nacht (bzw. 1.500 HUF) im Keller des Hotels serviert. Dieses war nicht im Zimmerpreis enthalten und musste beim Check-Out bar bezahlt werden. Unsere höfliche Anfrage, ob wir das Frühstück auch per Karte zahlen konnten, wurde abgelehnt, doch zum Glück war der nächste Geldautomat nicht weit entfernt.

Neben einer ausreichenden Auswahl an Wurst, Käste und Brot gab es Obst, Spiegeleier, Joghurt und Würste. Außerdem Müsli, verschiedene Sorten Säfte, sowie Kaffee, Tee und Kakao.

Alles schmeckte ganz in Ordnung, war aber keine kulinarische Offenbarung. Um den ersten Hunger zu stillen und sich für das Sightseeing zu stärken reichte es aber vollkommen aus.

Lage

Das Hotel befindet sich in der Rákóczi út 67, etwa 200 Meter vom Ostbahnhof (Keleti pályaudvar) entfernt (wo neben Zügen in alle möglichen Himmelsrichtungen, auch die Metrolinien M2 und M4 abfahren) und in unmittelbarer Nachbarschaft mehrerer Supermärkte, verschiedenen Geschäften und Restaurants.

Es liegt gerade noch so im Budapester VIII. Bezirk Josefstadt (Józsefváros) und grenzt an die Elisabethstadt (Erzsébetváros bzw. VII. Bezirk), sowie die Stefanswiese (Istvánmező) die zum Budapester XIV. Bezirk Zugló (Lerchenfeld) gehört.

In die Innenstadt (Haltestelle Opera) sind es 1,8 Kilometer (etwa 20 Minuten mit den Metros M1 und M2), zum Burgberg (Haltestelle Batthyányi tér) 4,1 Kilometer (14 Minuten mit der Metro M2), zur großen Synagoge (Haltestelle Astoria) 1,4 Kilometer (9 Minuten mit der M2) und zum Parlamentsgebäude (Haltestelle Kálvin tér), die man mit der Metrolinie M4 in 10 Minuten erreicht) etwa 2 Kilometer.

Wer gut zu Fuß ist, kann die Stadt, so wie wir, aber auch leicht per Pedes erkunden, wodurch man ein ganz anderes Budapest kennenlernt, als wenn man mit der Metro von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit gondelt. Viele kleine Geschäfte, nette Cafés und tolle Menschen hätten wir wohl nie kennengelernt, wenn wir überall mit der Metro hingefahren wären.

Um Zeit zu sparen und auch mal weiter raus zu kommen, fuhren wir dann aber doch hin und wieder mit der Metro. Die Anbindungen waren optimal und wir konnten alle wichtigen Sehenswürdigkeiten problemlos erreichen.



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Reiseverlauf

Tag 1: Erste Orientierung (Erzsébetváros, jüdisches Viertel und ungarische Spezialitäten)

Nachdem wir unsere Koffer im Hotel abgestellt und uns kurz frisch gemacht hatten, begannen wir damit, die nähere Umgebung des Hotels zu erkunden. Da uns alle sowohl die Elisabethstadt, als auch das jüdische Viertel reizte und beides fußläufig zu erreichen war, begannen wir unser Sightseeing dort.

Hierzu folgten wir zunächst der Rákóczi út bis zur Abzweigung Károly krt (Metro-Haltestelle Astoria). Anschließend bogen wir die erste Straße rechts ab, bis wir zur großen Synagoge kamen. Was wir nicht bedacht hatten – das größte jüdische Gebetshaus Europas (und das, nach der Synagoge von New York, zweitgrößte jüdische Gebetshaus der Welt) schloss freitags bereits um 15:30. Somit standen wir vor verschlossenen Türen und konnten das beeindruckende Gebäude aus gelben und roten Ziegeln mit seinen goldverzierten Zwiebeltürmen, sowie den angrenzenden Friedhof, leider nur von außen betrachten.

Da sich mittlerweile bei uns allen ein, mehr oder weniger starkes, Hungergefühl breitgemacht hatte, stärkten wir uns nahe der Synagoge bei Street Food Karaván Budapest (Kazinczy utca 18). Den Hinterhof mit (teilweise veganen) Fastfood-Gerichten, wie Burgern, Thai-Curry und Knödeln, die unter freiem Himmel aus Wohnwägen heraus verkauft wurden, entdeckten wir nur zufällig, da er nicht im Reiseführer verzeichnet war. Die Burger, die wir dort aßen, schmeckten zwar sehr gut, die Preise empfanden wir aber als ein wenig überzogen. Trotzdem würde ich jedem Budapest-Besucher empfehlen, dort mindestens einmal essen zu gehen und die gemütliche Hinterhof-Atmosphäre, sowie das alternativ angehauchte Publikum, auf sich wirken zu lassen. Nirgendwo in der ungarischen Hauptstadt habe ich etwas Vergleichbares gefunden.

Geöffnet ist Street Food Karaván Budapest täglich ab 11:30. Donnerstag – Samstag schließt der Hinterhof um 2:00, ansonsten um 0:00 Uhr.

Anschließend hatten wir noch genügend Zeit, um die großartigen Jugendstilgebäude, für die Budapest und insbesondere die Erzsébetváros bekannt sind, zu bestaunen und uns in den kleinen Cafés und Geschäften zu tummeln, von denen es im Quadrat Rákóczi út, Károly krt, Andrássy út und Erzsébet krt nur so wimmelt.

 

Am Abend hatten wir ziemlich viel gesehen, uns mit dem besten Baumstriezel, den ich je gegessen habe gestärkt und kehrten in das Restaurant Vadas Kamra unweit unseres Hotels ein. Dort ließen wir den ersten Tag bei deftigem ungarischem Essen ausklingen. Das urige Restaurant, in das wir ohne den Tipp von TripAdvisor sicher nicht gegangen wären, sieht von außen eher zwielichtig aus und befindet sich in einem Gewölbekeller in der Alsóerdösor utca 1B. Geöffnet ist es Mo – Sa von 11 bis 22 Uhr.

Tag 2: Pest (Parlament, St-Stephans-Basilika und Shopping)

Am nächsten wollten wir das Parlamentsgebäude besuchen, welches für mich DAS Wahrzeichen Budapests ist. Zunächst fuhren wir aber zur großen Markthalle (Nagycsarnok), wo wir, gemeinsam mit den Einheimischen, etwas Obst und Gemüse für den Tag einkauften und ebenso, wie unzählige andere Touristen, die Souvenirs in der oberen Etage bestaunten. Nach gut einer Stunde hatten wir alles erledigt, uns mit frisch gepressten Fruchtsäften gestärkt und die ersten Souvenirs gekauft.

Mit der Straßenbahn ging es zum Országház, wie die Ungarn den Sitz ihres, im neugotischen Stil erbauten, Parlaments nennen.

Selten hat mich ein Gebäude so beeindruckt wie der riesige, palastähnliche Bau mit seiner strahlend weißen Fassade, die von etlichen Giebeln und Türmen gekrönt wird.

Leider waren für diesen und den nächsten Tag keine Karten mehr zu bekommen. Wer das Parlamentsgebäude also von innen besichtigen möchte, der sollte sich am besten schon vorab Tickets im Internet reservieren. Ansonsten kann es schwierig werden.

Nachdem wir unsere Eintrittskarten für den übernächsten Tag reserviert und den Hinweis bekommen hatten, dass wir pünktlich da sein sollten (weil die Karten sonst anderweitig verkauft werden), spazierten wir an der Donau entlang zu dem beeindruckenden und zutiefst ergreifenden Mahnmal Schuhe am Donauufer (Cipők a Duna-parton).

Die 2005 gestaltete Uferpromenade in unmittelbarer Nähe zum Parlament und der Akademie der Wissenschaften, soll an die Pogrome erinnern, die während des Zweiten Weltkriegs an ungarischen Juden begangen wurden. Beim Anblick der auf einer Länge von 40 Metern verstreuten Schuhpaare aus Metall, stockte mir der Atem, weil ich das Gefühl hatte, dass die Besitzer der Schuhe, bald zurückkommen würden, wohlwissend, dass sie, zwischen 1944 und 1945 von den Pfeilkreuzlern am Donauufer zusammengepfercht und dort erschossen worden waren.

Etwa einen Kilometer und einen 20 minütigen Spaziergang durch ein elegantes Viertel voll Jugendstilhäuser entfernt, standen wir vor der St.-Stephans-Basilika (Szent István-bazilika), der größten Kirche Budapests.

Sowohl das kolossale Äußere, als auch ihre prunkvolle Innenausstattung wären Grund genug für einen Besuch. Bekannt ist die Kirche vor allem durch ihre Reliquien, zu welchen etwa die rechte Hand des Nationalheiligen König Stephan zählt. Diese sind entsprechend gut besucht, weshalb man ein wenig Zeit mitbringen sollte, wenn man sich in die Schlange der Wartenden einreihen möchte.

Anschließend kann man die Balustrade der Kuppel zu Fuß erklimmen oder sich mit dem Aufzug bequem nach oben chauffieren lassen und eine grandiose Aussicht auf die ungarische Hauptstadt genießen.

In der Október 6 út 22 besuchten wir danach das Strudel Haus (Első Pesti Rétesház) und aßen in stilvollem Ambiente sowohl herzhafte, als auch süße Variationen der leckeren Mehlspeise. Die Herstellung direkt im Restaurant ist sehr sehenswert und macht aus einem normalen Restaurantbesuch ein Erlebnis (auch wenn man den Kellnern, aufgrund der vielen Besucher, etwas mehr Zeit als üblich einräumen sollte).

Der restliche Tag war intensivem Shopping in der Pester Innenstadt vorbehalten, von wo jeder einzelne von uns mit tütenweise Souvenirs, Kleidung und Lebensmittel nach Hause schleppte.

Den Abend wollten wir dann in einem urigen Restaurant in der Nähe unseres Hotels ausklingen lassen, in dem es neben traditioneller ungarischer Küche auch Live-Musik geben sollte. Leider war das Huszár am II. Janos Pal papa ter 22 für diesen Abend bereits ausgebucht, weswegen wir in der, nur wenige Meter entfernten, Csülök Csárda (Berzsenyi Dániel utca 4) landeten. Dort verbrachten wir einen wunderschönen Abend und aßen das Schärfste Gulasch unseres Lebens und das beste Essen unseres Budapest-Trips. Nur die muffige Einrichtung trübte dieses Bild ein wenig, wurde aber durch die herzensgute Bedienung wieder Wettgemacht.

Tag 3: Buda (Burgberg und Gellertberg)

Uns allen war klar, dass das der Besuch des Burgviertels der anstrengendste Teil unserer Reise werden würde. Wir hatten so viel vor, dass wir am nächsten Morgen direkt nach dem Frühstück mit der Metrolinie M2 zum Batthyány tér fuhren, von wo wir zunächst den Burgberg und anschließend den Gellertberg erklimmen wollten.

Burgberg

Das Burgviertel (Budai Várnegyed) entstand, als die ungarischen Könige sich überlegten, an der Südspitze des strategisch bedeutsamen Hügels eine Burg zu errichten. Aus der Burg Buda entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte der Burgpalast (Budavári palota). Er beherbergt heute mehrere Museen, ist das größte Gebäude Ungarns und eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten des Landes.

Parallel zur Burg Buda wurde im Norden des 168 Meter hohen Kalksteinplateaus mit dem Bau der Budaer Altstadt begonnen, die neben dem historischen Stadtkern unter anderem auch die Matthiaskirche (Mátyás-templom) und die Fischerbastei (Halászbástya) beherbergt.

Im Laufe der Geschichte wurde das Burgviertel zwei Mal fast vollständig zerstört. Erstmals im 16. Jahrhundert während der Türkenkriege, wonach das Viertel im Barocken Stil  wiederaufgebaut wurde und dadurch sein heutiges Gesicht erhielt, das auch beim Wiederaufbau nach den Zerstörungen des 2. Weltkriegs, beibehalten wurde.

Auch wenn die Anreise mit der Standseilbahn (Budavári Sikló) reizvoll gewesen wäre, entschieden wir uns für den gut ausgeschilderten Fußweg, der uns direkt zum Wiener Tor (Bécsi kapu) im äußersten Norden des Viertels führte.

Kaum hatten wir das Stadttor durchschritten, fühlten wir uns in eine andere Zeit zurückversetzt und konnten von Beginn an die Faszination nachvollziehen, die das Burgviertel bis heute auf Millionen von Touristen ausübt.

Nach einigen hundert Metern öffnete sich vor uns der Dreifaltigkeitsplatz (Szentháromság tér) mit der beeindruckenden Matthiaskirche. Das farbenfrohe Dach der Krönungskirche von Karl I. Robert von Anjou, Franz Joseph I., sowie Karl IV., war schon von Weitem erkennbar und ließ die Vorfreude mit jedem Schritt steigen.

Nachdem wir uns an den Häuschen gegenüber des Eingangs Tickets für die Besichtigung besorgt hatten (1.500 HUF für Erwachsene), schauten wir uns zunächst noch die Fischerbastei an. Das neoromanische Monument steht an der Stelle des alten Fischmarkts von Buda und beeindruckt mit seinen konischen Türmen. Der Ausblick auf Pest, die Donau und die Margareteninsel ist beeindruckend und nicht umsonst eines der beliebtesten Fotomotive Budapests.

Im Souvenirladen, am Fuße der geschwungenen Treppen, wollten wir uns eigentlich  nur etwas zu trinken kaufen, nahmen dann aber noch Paprikagewürz und andere Köstlichkeiten für zu Hause mit, ehe wir uns die Matthiaskirche von innen ansahen. Um ehrlich zu sein, hatte ich nach der Besichtigung der Stephansbasilika am Vortag nicht viel erwartet, wurde von meinen Mitreisenden aber glücklicherweise überredet, die 1.500 HUF zu investieren.

Selten habe ich eine Kirche gesehen, die so viel Sehenswertes bot. Neben den wunderschönen Fresken, der Orgel, dem prunkvollen Hauptaltar und dem Marientor, beherbergte sie auch eine Statue von Königin Elisabeth, sowie eine Kopie der Stephanskrone.

Anschließend stärkten wir uns in der legendären Konditorei Ruszwurm (Ruszwurm Cukrászda), die vor allem mit ihrem Interieur aus dem frühen 19. Jahrhundert besticht. Nur mit Glück konnten wir einen Platz ergattern und uns den Kaffee mit Dobostorte schmecken lassen. Das winzige Café war aber so überlaufen, dass wir nicht länger als notwendig bleiben wollten.

Von dort war es nur ein Katzensprung bis zum Burglabyrinth (Budavári Labirintus), das im Reiseführer als eines der Highlights auf dem Burgberg angepriesen wurde.

Die verschiedenen Labyrinthe des kilometerlangen Höhlensystems zu erkunden und nebenbei noch etwas über die Geschichte, dieses beklemmenden Ortes zu erfahren, kann ich jedem Budapest-Besucher nur ans Herz legen. Man sollte in etwa eine Stunde einplanen, um dieses unterirdische Labyrinth auf sich wirken zu lassen, in dem angeblich sogar der legendäre Graf Dracula einst eingesperrt war und sein Unwesen trieb.

Endlich wieder am Tageslicht, machten wir eine kurze Rast, genossen das schöne Wetter und tankten ein wenig Sonnenlicht, ehe wir zum Burgpalast (Budavári palota) schlenderten.

Das Neobarocke Gebäude, das seine heutige Form Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts erhielt und Stilelemente aus dem Barock und der Renaissance vereint, ist das größte Gebäude Ungarns. Die königliche Burg (Királyi Vár), wie der Burgpalast offiziell heißt, ist außerdem das höchstgelegene Gebäude Budapests und in weiten Teilen der Stadt gut erkennbar. Es beherbergt diverse Museen (das Ludwig-Museum für Zeitgenössische Kunst, die Nationalgalerie, das Historische Meseum, sowie die Széchenyi-Nationalbibliothek), für die wir uns (aus mangelndem Interesse einiger Mitreisender) leider keine Zeit nahmen. Bei meinem nächsten Besuch der Donaumetropole möchte ich dies aber gerne nachholen.



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Trotzdem hinterließ der Burgpalast, schon alleine wegen seiner Größe, einen bleibenden Eindruck und die weitläufigen Terrassen boten spektakuläre Ausblicke auf die Stadt.

Durch den Burggarten ging es wieder hinunter ans Donauufer, wo der beeindruckende Burggarten Basar (Várkert Bazár) unsere Blicke auf sich zog. Als wir im Reiseführer nachlasen, dass das goldgeschmückte Gebäude, das im 19. Jahrhundert im Neorenaissance Stil errichtet wurde, unter Denkmalschutz steht, wunderte uns das überhaupt nicht.

Weiter ging es in Richtung Elisabethenbrücke (Erzsébet híd), wo uns am Döbrentei tér ein mächtiges Denkmal der Kaiserin von Österreich-Ungarn erwartete und die letzte Sehenswürdigkeit darstellte, ehe wir den Gellértberg (Gellért-hegy) erklommen.

Nach etlichen Stufen und gewundenen Wegen, die sich eine halbe Ewigkeit hinzogen, aber immer wieder tolle Fotomotive freigaben, kamen wir fix und fertig oben an.

Die Anstrengungen wurden mit dem vielleicht schönsten Blick auf die ungarische Hauptstadt belohnt. An diesem Tag fand ein Volksfest auf dem Gellértberg statt, das uns mit folkloristischen Tänzen unterhielt und an dessen Buden wir uns, im Schatten der Zitadelle, mit Bier und Lángos versorgten.

Als wir genügend Aufnahmen für unsere Fotoalben gemacht und außerdem die Bronzestatuen der Freiheitsstatue (Szabadság-szobor) abgelichtet hatten, stiegen wir den südlichen Hang des Gellértbergs, in Richtung Hotel Gellért (Gellért szállóda), hinab.

  

Auf unserem Weg hinunter zur Donau fiel uns ein Schild mit der Aufschrift “Felsenkapelle” (Sziklatemplom) auf, das sofort unser Interesse weckte. Auch wenn wir die Kirche nicht auf Anhieb fanden, wollten wir uns diese besondere Sehenswürdigkeit nicht entgehen lassen.

 

Über die Freiheitsbrücke (Szabadság híd) ging es wieder in Richtung Hotel. Natürlich nicht, ohne noch ein paar Fotos der Südflanke des Gellértsbergs und dem Ausblick von der Freiheitsbrücke zu schießen.

Im Hotel angekommen, wollte sich ein Teil unserer Reisegruppe ein wenig erholen. Der Rest machte sich kurz frisch und danach auf den Weg zum nahe gelegenen Kerepeschen Friedhof (Kerepesi temető). Die Parkanlage mit ihren bekannten Arkaden und Mausoleen ist die letzte Ruhestätte vieler ungarischer Staatsmänner, Schriftsteller und Wissenschaftler, hatte aber an diesem Abend bereits geschlossen. Einerseits schade, andererseits ein Glücksfall, ohne den wir die wunderbare Elisabethenkirche (Erzsébetvárosi plébániatemplom), die wir bei unserer anschließenden Erkundung der näheren Hotelumgebung zufällig entdeckten, nie zu Gesicht bekommen hätten.

Pünktlich zum reservierten Termin fanden wir uns wenig später im Restaurant Huszár ein, wo wir zu deftigem Essen dem Auftritt einer ungarischen Folklore-Band beiwohnen durften.

Das Essen war solide und geschmacklich gut, doch die Atmosphäre in dem rustikal eingerichteten Lokal, für unseren Geschmack eine Spur zu touristisch. Dies spiegelte dich auch in den Preisen wieder, die etwas höher lagen, als in den anderen hotelnahen Lokalen. Dennoch ein gutes Restaurant, das wir ebenfalls guten Gewissens weiterempfehlen können.

Tag 4: Parlament, Synagoge und Stadtwäldchen

Am nächsten Morgen ging es wieder zum Parlament, wo wir für 10 Uhr eine Führung gebucht hatten. Das beeindruckende Gebäude des ungarischen Architekten Imre Steindl (1839 – 1902) vereint diverse Architekturstile, wie Neogotik, Neoromanik und Neobarock. Einen ganze Reihe von Skulpturen stellt berühmte ungarische Persönlichkeiten dar. Auf den ersten Blick wird die Ähnlichkeit zum Parlamentsgebäude des Vereinigten Köngigreichs, Palace of Westminster, deutlich, der dem Országház, wie die Ungarn es nennen, als Vorbild diente.

Da wir die Besichtigung auf keinen Fall verpassen wollten, fanden wir uns bereits gegen 9:30 am Kossuth Lajos tér ein, wo wir zunächst unsere Eintrittskarten abholten, ehe wir uns im angeschlossenen Café mit Heißgetränken stärkten.

Die Führung durch den Nordflügel begann und wir lernten einiges zur Geschichte und der Architektur des Gebäudes, aber auch zur Geschichte der Stadt und des ganzen Landes. Die Atmosphäre in den engen, mit rotem Teppich ausgelegten und durch Buntglasfenster erhellten Gängen, war beeindruckend. Über uns spannte sich ein vergoldeter Kreuzgang, die Wände waren mit luxuriösen Ornament-Tapeten bedeckt und wir spürten die Macht, die in jeder Pore dieses Gebäudes steckte.

Von Raum zu Raum wurden die Gänge breiter, bis wir irgendwann im herrschaftlichen Kuppelsaal vor der Stephanskrone standen und einen atemberaubenden Blick auf die Prunktreppe erhaschen konnten.

Vermutlich würden sich selbst einige Königspaläste oder –schlösser nach solch einem herrschaftlichen Treppenhaus die Finger lecken. Neben all dem Gold und Marmor stachen insbesondere die Statuen und Deckengemälde ins Auge, die dem Treppenhaus etwas Majestätisches und gleichzeitig Sakrales verliehen.

Im Vergleich dazu wirkte der Kongressaal, in dem die Führung endete, beinahe bescheiden.

Obwohl auch hier viel Gold verarbeitet wurde und wunderschöne Fresken die Wände zieren, stechen vor allem die hölzernen Tische und Bänke ins Auge, die den Raum eher rustikal wirken ließen.

Auch wenn wir nur einen Bruchteil der knapp 700 Räume des Parlamentsgebäudes besichtigen durften, hat sich die knapp einstündige Besichtigung gelohnt. Die 2.400 HUF (knapp 8 €), die wir als EU-Bürger zahlten (Achtung: Nicht-EU-Bürger zahlen 6.000 HUF, was etwa 20 € entspricht), waren gut investiert.

Wir ließen das Parlamentsgebäude hinter uns und fuhren mit der M2 zur Großen Synagoge (nagy zsinagóga) zurück. Mit 3.000 Plätzen ist sie, nach der Synagoge in New York City, das zweitgrößte jüdische Gebetshaus der Welt. Da ich nie zuvor in einer Synagoge war, stand der Besuch des Gotteshauses und des angeschlossenen jüdischen Museums ziemlich weit oben auf meiner to-do-Liste (Eintritt: 4.000 HUF bzw. knapp 13 Euro; Inhaber einer Budapest-Card erhalten 10 % Rabatt).

Da wir bis zur Führung durch das Museum noch etwas Zeit hatten, begannen wir mit der Besichtigung der Synagoge, die Mitte des 19. Jahrhunderts nach Plänen des österreichischen Architekten Ludwig Förster im maurischen Stil erbaut wurde.

Im Gebetsraum wurden zwar hochwertige Materialien verarbeitet, ansonsten wirkte er aber eher schlicht. Da der Grundriss des Innenraums an den einer dreischiffigen Basilika angelehnt ist, wird die Große Synagoge auch “jüdische Kathedrale” genannt. Insbesondere der Thoraschrein mit seinen Schnitzereien und die große Orgel mit 64 Registern lohnten einen näheren Blick.

Anschließend besuchten wir den Garten inklusive Friedhof und diversen Mahnmalen.

Das Museum beherbergte diverse Objekte des jüdischen Lebens, viele Gegenstände aus Silber und eine Reihe von Grabsteinen aus dem 3. Jahrhundert. Außerdem beschäftigte sich die Ausstellung im Holocaust-Gedächtnissaal mit den Ereignissen des 2. Weltkriegs.

Nach so vielen Eindrücken hätte uns eine kurze Pause sicherlich gut getan. Allerdings wollten wir an unserem letzten Tag in Budapest keine unnötige Zeit verlieren, weshalb wir zur nächsten Haltestelle der M1 gingen und zum Heldenplatz fuhren.

   

Die antiquiert wirkende Haltestelle Hősök tere mit ihren weißgekachelten Wänden, den blanken Stahlträgern und den hölzernen Fahrkartenhäuschen gefiel mir ausgesprochen gut und steigerte die Vorfreude auf den größten und symbolträchtigsten Platz der ungarischen Hauptstadt.

Dominiert wird der Platz seit 1929 vom Millenniumsdenkmal (Millenniumi emlékmű), dessen 36 Meter hohe Säule und die flankierenden Kolonnaden von Albert Schickedanz und György Zala, den Glanz vergangener Tage bis heute spürbar machen.

Da sowohl die Kunsthalle (Műcsarnok), als auch das Museum der Bildenden Künste (Szépművészeti Múzeum) an diesem Tag geschlossen waren, spazierten wir in das angrenzende Stadtwäldchen (Városlige). In dem 1817 von Christian Heinrich Nebbien angelegten Park fand ein Rummel statt, auf dem wir uns – bei ungarischen Spezialitäten – dann doch eine Pause gönnten.

Nachdem wir den mittelalterlich anmutenden und verwunschen wirkenden Gebäudekomplex der Burg Vajdahunyad (Vajdahunyad vára) angesehen hatten, teilte unsere Gruppe sich auf, da ein Teil ins Szécheny-Bad (Széchenyi-gyógyfürdő) wollte, während die anderen einen Besuch des Zoologisch-Botanischen Gartens (Fővárosi Állat- és Növénykert) vorzogen.

Ich persönlich war froh, mich für das größte Thermalbad Europas entschieden zu haben, um mich an diesem grauen Tag ein wenig aufzuwärmen und gleichzeitig die Zuckerbäcker-Architektur zu genießen. Die Tageskarte für knapp 5.000 HUF (etwa 16 Euro) inklusive Schrankbenutzung ist für ungarische Verhältnisse nicht ganz billig. Dafür wird dem Besucher einiges geboten, sodass ein Abstecher zu dieser, bereits etwas in die Jahre gekommenen Anlage, dennoch zum Pflichtprogramm eines jeden Budapest-Besuchs gehören sollte. Wer an der Kasse nicht anstehen möchte, kann die Tickets vorab online kaufen.

Nach ein paar Stunden trafen wir uns im Café Kara, direkt an der U-Bahnstation Hősök tere wieder, wo wir erfuhren, dass der Besuch des Zoos mit 2.800 HUF (etwa 9 Euro) bedeutend günstiger war, als der Besuch des Thermalbades und mit seinen über 500 Tier- und 2.000 Pflanzenarten, mindestens genauso sehenswert.

Über die Andrássy út, an der, neben vielen Geschäften und Shoppingmöglichkeiten auch einige Sehenswürdigkeiten (wie das Opernhaus, das Haus des Terrors und die Ungarische Akademie der Bildenden Künste) liegen, ging es zurück in Richtung Innenstadt.

Völlig ausgehungert landeten wir am Abend im Kazimír Bisztró, einem modernen, alternativ angehauchten Lokal, in dem uns drei junge Männer einen unvergesslichen Gaumenschmaus bereiteten und den Tag  perfekt abrundeten.

Tag 5: Ausklang (Kaffee, Bücher und Heimreise)

 An unserem Abreisetag wurde unser Gepäck auch nach dem Check-out noch im Hotel  verwahrt, sodass wir ein letztes Mal die Chance hatten shoppen zu gehen, sowie ein paar Souvenirs zu besorgen.

Als letzten Punkt auf unserer to-do-Liste statteten wir dem sehr schön anzusehenden, aber völlig überteuerten Café New York (New York Kávéház) unweit unseres Hotels einen Besuch ab, wo es guten Kaffee und leckeren Kuchen gab.

Am frühen Vormittag verabschiedeten wir eine unserer Mitreisenden, die sich die lange Zugfahrt ersparen wollte und einen Flieger zurück in die Heimat gebucht hatte. Um die Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges zu überbrücken, besuchten wir das im Reiseführer angepriesene Restaurant Rosenstein genau gegenüber des Ostbahnhofes, das Mittagsmenüs für 2.200 HUF anbieten sollte.

Seit Erscheinen des Reiseführers war der Preis offensichtlich auf 2.800 HUF gestiegen, was für uns aber kein Problem darstellte. Allerdings verspürte niemand von uns Lust auf das Tagesgericht – Lunge süß-sauer, sodass wir ein wenig tiefer in die Tasche greifen und Gerichte von der regulären Karte bestellen mussten. Während wir auf Gulasch, Entenbrust und Hähnchen in Paprikasoßen warteten, fragten wir uns, ob Innereien überhaupt koscher sind und genossen das stilvolle Ambiente (für das wir uns ein wenig underdressed fühlten.

Das Essen war lecker und mit durchschnittlich 15 Euro pro Person gar nicht mal so teuer, wie wir es befürchtet hatten. Zwar war keiner von uns vom Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt, dennoch würde ich dieses schicke Restaurant zu besonderen Anlässen weiterempfehlen.

Auf einen Blick – Die Fakten

Einwohner: ca. 1.700.000

Stadtteile: 23 Bezirke

Währung: Forint

Optimale Reisedauer: 5 – 7 Tage (im Sommer auch länger)

Sprachen: Ungarisch, Englisch, selten auch Deutsch

Adapterstecker nötig?: nein

Und beim nächsten Besuch?

Obwohl wir in 4 Tagen Budapest, dank unseres straffen Zeitplans, einiges gesehen haben, konnten wir leider nicht alles anschauen, was uns im Reiseführer interessant erschien. Schließlich mussten wir uns eingestehen, dass wir die schiere Anzahl der Sehenswürdigkeiten, sowie die Ausmaße der ungarischen Hauptstadt völlig unterschätzt hatten.

Bei meinem nächsten Besuch würde ich gerne eines der zahlreichen Museen besuchen; insbesondere im Burgpalast und auf dem Heldenplatz. Auch der Mementopark, die Margareteninsel, sowie der Budapester Zoo stehen auf meinem Wunschzettel. Ganz zu schweigen von all den tollen Kaffeehäusern, von denen ich seit meiner Rückkehr gelesen habe.

Für einen ersten Eindruck und den Wunsch eines Tages in diese wunderschöne Stadt zurückzukehren, reichte die Zeit aber allemal.


      

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