Bruno, Chef de Police: Kulinarischer Krimi von Martin Walker

Inhalt

Die Gemeinde Saint-Denis ist ein verschlafenes Nest im P√©rigord, in dem die Welt noch in Ordnung zu sein scheint. Die Menschen dort gehen gem√§chlich ihren allt√§glichen Besch√§ftigungen nach, halten Schw√§tzchen und helfen einander, wenn jemand in der Klemme steckt. Allein die Auflagen der “Idioten aus Br√ľssel” st√∂ren den Frieden der Bewohner, die bereits all ihre regionalen Spezialit√§ten vom Wochenmarkt verschwinden sehen.

Und das passt den P√©rigourdins nat√ľrlich √ľberhaupt nicht.

Alles √§ndert sich schlagartig, als eines Tage die Leiche eines arabischen Einwanderers gefunden wird, dem ein Hakenkreuz in die Brust geritzt wurde. Pl√∂tzlich ist der ganze Ort in Aufruhr und f√ľr Bruno, den √∂rtlichen Polizeichef, beginnt die mit Abstand spannendste Ermittlung seines Lebens.

Erster Satz

An einem strahlenden Maimorgen, so fr√ľh, dass √ľber der gro√üen Flussbiegung noch Nebelreste hingen, hielt ein wei√üer Kleintransporter mit dunkelblauen Seitenstreifen auf der Anh√∂he √ľber dem franz√∂sischen St√§dtchen Saint-Denis.

Lesemotivation

Nachwievor darf ich aufgrund der Monatsaufgabe des @SubAbbauExtrem im April nur B√ľcher mit maximal 300 Seiten lesen. Davon war Bruno, Chef de Police, der bereits seit Jahren in meinem Regal stand, einer der wenigen Krimis, sodass ich nicht lange √ľberlegen musste.

Meinung

Beim Kauf des Buches hatte ich etwas komplett anderes erwartet, als das, was ich zwischen den beiden Buchdeckeln fand. Ja, es gibt einen Mord. Ja, es geht darum, den oder die Täter zu finden. Und ja, der Mord wird auch aufgeklärt. Das war es aber im Großen und Ganzen auch schon, was dieses Buch mit einem Krimi zu tun hat.

Der alte Mann war erstochen worden. Er lag mit blo√üem Oberk√∂rper in einer Blutlache am Boden. Aus einer gro√üen Schnittwunde im Bauch waren Eingeweide ausgetreten, die sich √ľber den ganzen Unterleib verteilten. Es stank. Fliegen schw√§rmten umher.

Der liebenswerte Polizeichef Bruno z√§hlt n√§mlich ganz und gar nicht zu den stereotypen Polizisten, wie sie so viele andere Krimis zeichnen; er hat keine seltsamen Eigenarten, ist kein sozialer Kr√ľppel und wurde nicht von seiner Arbeit zu einem k√∂rperlichen Wrack degradiert.

Er ist vielmehr ein Genussmensch, der in einem franz√∂sischen Dorf als Polizist arbeitet und dem es Spa√ü macht, Arbeit und Vergn√ľgen miteinander zu verbinden. Er ist gut in die Dorfgemeinschaft integriert und stets ein gerngesehener Gast.

Sie duschten und holten dann aus ihren Autos, was sie f√ľr das gemeinsame Mittagessen mitgebracht hatten. Bruno steuerte Eier von seinen H√ľhnern und Gartenkr√§uter bei. Im Fr√ľhjahr brachte er normalerweise jungen L√∂wenzahn mit, aber diesmal hatte er jungen Knoblauch dabei, glattbl√§ttrige Petersilie und eine der Tr√ľffelknollen, die seit dem Winter in √Ėl lagen. Michel packte pat√© und au√üerdem rillettes aus eigener Herstellung aus; das Fleisch dazu stammte von dem Schwein, das er in h√§mischer Missachtung einschl√§giger EU-Vorschriften im Februar geschlachtet hatte. Dougal hatte Brot und K√§se mitgebracht, dazu eine Flasche Scotch, von dem sie sich nach dem ersten durststillenden Bier aus dem Zapfhahn der Clubhausbar einen guten Schluck als Aperitif g√∂nnten.

F√ľr meinen Geschmack ein etwas zu netter Krimi, der einfach zu sch√∂n und zu leicht daherkommt und bei dem mir ein wenig die Spannung und die Action fehlte. Einige Szenen fand ich nicht so gelungen und manche Dialoge recht holprig. Auch konnte Martin Walker mit Bruno, Chef de Police nicht meinen Humor treffen.

Nichtsdestoweniger ein Buch, das sich gut lesen l√§sst und den Leser mit einem rundum guten Gef√ľhl zur√ľckl√§sst.

Liebste Szene

Vor allem aber bedauerte er, dass die kleine Idylle von Saint-Denis von solchen Gespr√§chen und feindseligen Gef√ľhlen nicht l√§nger verschont blieb.

“Ihr kennt mich”, sagte Bruno nach kurzer Denkpause. “Ich bin ein einfacher Mann und halte mich nicht f√ľr was Besseres. Aber ich befolge das Gesetz, weil das zu meinem Job geh√∂rt. Und nach unserem Recht ist jeder, der hier geboren wird, franz√∂sischer Staatsb√ľrger, egal ob wei√ü, schwarz, braun oder violett. Und vor dem Gesetz sind alle Franzosen gleich, also auch in meinen Augen. Wenn das nicht mehr gelten sollte, steht uns wirklich gro√üer √Ąrger ins Haus.”

Fazit

Ein ungew√∂hnlicher Krimi, in dem der Mordfall und dessen Aufkl√§rung nur eine Nebenrolle spielt. Vielmehr scheint es Martin Walker beim Schreiben von Bruno, Chef de Police darum gegangen zu sein, eine Liebeserkl√§rung an die kulinarischen Gen√ľsse der Dordogne zu schreiben.

Saint-Denis und seine Bewohner waren mir von der ersten Seite an sehr sympatisch. Ich fand es toll, wie die Bewohner f√ľr ihre Sache k√§mpfen und sich von niemandem in ihren Alltag reinreden lassen wollen.

Bruno spielte mit den EU-Inspektoren, die auf den franz√∂sischen M√§rkten die Hygieneverordnungen f√ľr Lebensmittel durchzusetzen versuchten, ein Katz-und-Maus-Spiel; er f√ľhlte sich in erster Linie seiner Gemeinde, ihrem Markt und B√ľrgermeister verpflichtet, weniger den geschriebenen Gesetzen Frankreichs, zumal wenn diese tats√§chlich aus Br√ľssel stammten. Gegen Hygiene war zwar nichts einzuwenden, aber die Bauern der Gemeinde von Saint-Denis stellten ihre pat√© au foie gras und ihre rillettes de porc schon seit Jahrhunderten her, und dass ihnen irgendwelche fremden B√ľrokraten vorschrieben, unter welchen Bedingungen sie ihre G√§nseleberpastete und ihren durch langes Schmoren und R√ľhren von Fleisch- und Fettresten des Schweins gewonnenen Brotaufstrich verkaufen durften, passte ihnen √ľberhaupt nicht.

Der Autor hat es nicht nur einmal geschafft, dass mir beim Lesen das Wasser im Munde zusammenlief. Er hat mich mitgenommen auf eine Reise in eine mir bislang unbekannte Gegend Frankreichs und mir Lust darauf gemacht, diese irgendwann zu besuchen.

Und damit hat Martin Walker auch genau das erreicht, was er mit diesem Buch vermutlich erreichen wollte.

Leider ging das auf Kosten der Spannung, die zwar angedeutet, aber immer wieder von belanglosen Dorfproblemen unterbrochen wurde.

Ich pers√∂nlich h√§tte mir mehr Krimi und weniger Reisebericht gew√ľnscht, kann mir aber vorstellen, dass genau das vielen Lesern gefallen k√∂nnte, die sonst nicht so viel mit Krimis anfangen

Alles in allem eine leichte Sommerlekt√ľre, bei der ich einiges √ľber die Kultur und Geschichte Frankreichs dazugelernt habe.


        

Buchtrailer

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