Bis alle Schuld beglichen: Thriller von Alexander Hartung

Inhalt

Jan Tommen arbeitet als Polizist bei der Berliner Mordkommission. Als er sonntags morgens von seinen Kollegen aus dem Schlaf geklingelt wird, ahnt er noch nicht, dass er der Hauptverdächtige in einem Mordfall ist.

Dass er sich an die letzten 36 Stunden seines Lebens nicht erinnern kann, macht die Sache nicht gerade besser.

Die erdrückende Beweislast lässt ihm keine andere Wahl als aus der Haft zu fliehen und unterzutauchen. Doch bei dem Versuch seine Unschuld zu beweisen, kommt er an einen Punkt, an dem er es tatsächlich für möglich hält unter Drogeneinfluss ein Menschenleben ausgelöscht zu haben.

Erster Satz

Der Schmerz seines gebrochenen Beins riss Georg aus der Gnade der Bewusstlosigkeit.

Lesemotivation

Vor einiger Zeit wurde Bis alle Schuld beglichen als Kindle Deal der Woche zum reduzierten Preis angeboten. Da sich die Beschreibung spannend anhörte und das Buch gut bewertet wurde, lud ich es mir herunter. Da ich im April im Rahmen des SubAbbauExtrem nur Bücher mit weniger als 300 Seiten lesen darf und ich in den letzten Tagen viel Gutes von Menschen hörte, die sich das E-Book zum fünften Kindle-Geburtstag gratis heruntergeladen haben, entschied ich mich für diesen Thriller.

Liebster Satz

Ich werde euch nur die ganz harten Fälle geben und wenn die Ermittlungsergebnisse nicht sogar Batman vor Neid erblassen lassen, schicke ich euch in den Keller zum Postsortieren.

Meinung

Von Anfang bis Ende fiebert der Leser mit Jan Tommen mit. Freut sich mit ihm und leidet mit ihm. Verdächtigt immer wieder jemand anderen des Mordes und ist am Ende genauso fassungslos, wie der Polizist selbst.

In Punkto Spannung erhält Alexander Hartung für Bis alle Schuld beglichen leicht die volle Punktzahl.

Auch die Story konnte mich überzeugen. Bis alle Schuld beglichen ist ein spannender Thriller mit überraschenden Wendungen und einem Ende, mit dem man so nicht gerechnet hätte.

Man ahnt schon das ABER.

Denn leider konnten mich die Figuren, ihre Motive und der Schreibstil nicht so recht überzeugen. Und das, obwohl auch hier vieles richtig gemacht wird.

Alexander Hartung schreibt in kurzen Sätzen, wenn die Geschichte Fahrt aufnehmen soll und epischer, wenn er dem Leser Hintergrundinformationen liefert. Gerade die kurzen Sätze wirkten auf mich aber oftmals abgehakt und behinderten meinen Lesefluss eher, als dass sie ihn förderten. Außerdem störten mich die ständigen “Andeutungen” á la “Wenn er sich umgedreht hätte”, hätte er dieses und jenes gesehen, die wohl für Spannung sorgen sollten, meiner Meinung nach aber etwas taktvoller in die Handlung hätten eingebettet werden können, anstatt sie dem Leser völlig zusammenhanglos vor den Latz zu knallen.

Am allermeisten störten mich bei der Lektüre des Buches aber die Figuren und ihr inkonsequentes Verhalten. Gerade in den ersten Kapiteln merkt man deutlich, dass der Autor sich noch nicht sicher ist, wo er mit den Figuren hin will. Die Protagonisten sind teilweise so sprunghaft, dass es mir bis zum Schluss nicht gelang, sie richtig einzuschätzen.

Ein Polizist der Mordkommision wird des Mordes verdächtigt und sucht Hilfe bei der Berliner Unterwelt. Aufgrund der Hintergrundgeschichte hätte ich das ja eventuell noch geschluckt. Und auch Jans angedeutete Eitelkeit (warum zeigt sie sich nur in einer Szene?) geht für mich absolut in Ordnung. Dass ein harter Bursche wie Chandu aber für seine Freunde kocht und in diesem Hobby total aufgeht (und wenn das tatsächlich so sein sollte (sowas soll es ja geben), warum ist das dann eine einmalige Aktion?), bei einem Gespräch mit seiner Mutter sentimental wird und bei einem doch eher langweiligen Wohnungseinbruch auf einmal weiche Knie bekommt, war mir dann aber doch ein wenig zu abwegig.

Ganz zu schweigen von Zoe. Der lesbischen Rechtsmedizinerin, die mit ihrer schroffen Art gerne aneckt. Es ist okay, dass sie ihr Herz auf der Zunge trägt und dass es ihr egal ist, was andere von ihr denken. Aber dann doch bitte konsequent und nicht mal hü und mal hott. Zoe änderte ihr Gesicht im Verlauf des Buches so oft und ohne erkennbare Gründe, dass sie am Schluss sogar meine Haupttatverdächtige war.

Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass der Autor auf zu wenigen Seiten zu viel wollte und das was er wollte nicht konsequent genug durchzog. Das ist schade, denn bei all den guten Ansätzen hätte man aus Bis alle Schuld beglichen leicht mehr herausholen können.

Für Leser, die nur auf Spannung aus sind und sich nicht am unlogischen Verhalten der Figuren stören, dürfte das Buch dennoch genau die richtige Wahl sein.


     

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