Bestrafung – Thriller von Steffen Jacobsen

Klappentext

D√§nemark verliert seine Unschuld, als ein Selbstmordattent√§ter im Tivoli, dem beliebtesten Vergn√ľgungspark des Landes, eine Bombe z√ľndet. Mehr als Tausend Menschen finden den Tod. Doch niemand bekennt sich zu dem Anschlag, und die Ermittlungen laufen ins Leere. Bis Kommissarin Lene Jensen eine Verbindung zu einem vermeintlichen Selbstmord im U-Bahnhof N√łrreport herstellt. Gemeinsam mit Privatdetektiv Michael Sander geht sie der Sache auf den Grund. Sie finden Schreckliches.

Erster Satz

Nabil hatte seine Mutter so deutlich gesehen, als säße sie zusammen mit ihnen im Wohnzimmer der Fremden.

Lesemotivation

Auf der Suche nach einem richtig guten skandinavischen Thriller, stieß ich auf diesen Roman, des mir, bis dahin, völlig unbekannten dänischen Schriftstellers Steffen Jacobsen.

 

Meinung

Bestrafung f√§ngt an, wie ein guter Thriller anfangen muss ‚Äď rasant, spannend und schockierend. Doch ebenso schnell verliert die Geschichte wieder an Fahrt.

Es werden viele Figuren eingef√ľhrt und etliche Handlungsstr√§nge geflochten, die der Leser zun√§chst nicht entwirren kann. Es dauerte etwa 200 Seiten, bis ich mich in Steffen Jacobsens Buch zurecht fand. Dann lie√ü es mich aber bis zum Schluss nicht mehr los.

Konnte man Hass schmecken? Auf Kims Zunge schmeckte er nach Eisen, Erde und Galle.

Die psychisch labile Ermittlerin Lene Jensen und der leidgepr√ľfte Privatdetektiv Michael Sander waren mir von Anfang an sympathisch und erg√§nzten sich genau so, wie es sich f√ľr ein gutes Ermittler-Duo geh√∂rt. Ergo dauert es auch nicht lange, bis sie der Wahrheit gef√§hrlich nahe kommen.

Bald m√ľssen Lene und Michael nicht nur gegen einen islamistischen Terrorring vorgehen, sondern auch gegen polizeiinterne Widerst√§nde k√§mpfen und schlie√ülich um ihr Leben f√ľrchten.

Die Polizeidirektorin streckte ihre d√ľnnen Arme zur Decke und drehte die Handgelenke unter knackendem Protest. Sie schaute an Lene vorbei in die Morgensonne, die zart schimmernde gelbe, rote und violette B√§nder in den Osthimmel flocht.

Im Gro√üen und Ganzen schreibt Steffen Jacobsen sehr knapp und l√§sst der Fantasie des Lesers somit viel Raum. Hin und wieder finden sich aber auch sprachliche Kleinode, sowie ein distanzierter, skandinavisch k√ľhler Witz, mit denen ich zwar nicht gerechnet h√§tte, die der Spannung aber auch keinen Abbruch tun.

Der Buddha auf der Kampferholzkiste unter dem Fenster l√§chelte geheimnisvoll d√§mlich. In einer Hand hielt er ein abgebranntes R√§ucherst√§bchen. Der hat wahrscheinlich schon einiges zu sehen bekommen, dachte sie und √∂ffnete die T√ľren der Einbauschr√§nke, ohne das rote Fingerabdruckpulver der Techniker zu ber√ľhren, schob Kleider beiseite und untersuchte den Inhalt und die R√ľckw√§nde der Schr√§nke.

Insgesamt ein sehr spannendes und leider immer noch aktuelles Buch, das ein erschreckend realistisches Bild von einem Terroranschlag zeichnet, wie er tats√§chlich vorkommen k√∂nnte und √ľber dessen anf√§nglichen Schw√§chen man sp√§testens nach der H√§lfte gerne hinweg sieht.

Liebste Szene

Lene begann zu begreifen, was Terror mit der Gesellschaft anstellte: Entmenschlichung. In dem Versuch sich zu sch√ľtzen, t√∂tete die Gesellschaft Teile ihres eigenen Organismus. Der Anstand, zum Beispiel, starb zuerst.


        

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