Americanah: Roman von Chimamanda Ngozi Adichie

Klappentext

Eine einschneidende Liebesgeschichte zwischen drei Kontinenten ‚Äď virtuos und gegenwartsnah erz√§hlt von einer der gro√üen jungen Stimmen der Weltliteratur.

Chimamanda Ngozi Adichie erz√§hlt von der Liebe zwischen Ifemelu und Obinze, die im Nigeria der neunziger Jahre ihren Lauf nimmt. Dann trennen sich ihre Wege: Die selbstbewusste Ifemelu studiert in Princeton, Obinze strandet als illegaler Einwanderer in London. Nach Jahren stehen sie pl√∂tzlich vor einer Entscheidung, die ihr Leben auf den Kopf stellt. Adichie gelingt ein eindringlicher, moderner und hochpolitischer Roman √ľber Identit√§t und Rassismus in unserer globalen Welt.

Erster Satz

Princeton im Sommer roch nach gar nichts, und obwohl Ifemelu das friedliche Gr√ľn der vielen B√§ume, die sauberen Stra√üen und stattlichen H√§user, die ma√üvoll √ľberteuerten Gesch√§fte und die ruhige umwandelbare Atmosph√§re wohlverdienter Eleganz mochte, war es das Fehlen eines Geruchs, das ihr am besten gefiel, vielleicht weil alle anderen amerikanischen St√§dte, die sie kannte, unverwechselbar rochen.

 Lesemotivation

Auf Chimimanda Ngozi Adichie aufmerksam wurde ich 2014 durch das Lied “Flawless” der amerikanischen S√§ngerin Beyonc√© aus ihrem selbstbetitelten, f√ľnften Studioalbum. Daf√ľr hatte die Autorin einen Text √ľber Gleichberechtigung geschrieben, der so pr√§gnant formuliert war, dass ich unbedingt eines ihrer B√ľcher lesen wollte. In der Buchhandlung las ich in alle drei B√ľcher “Blauer Hibiskus“, “Die H√§lfte der Sonne” und “Americanah” hinein, wobei mich letzteres am meisten fesseln konnte.

Meinung

In “Americanah” entf√ľhrt Chimamanda Ngozi Adichie uns in die Welt von Ifemelu. Einer Nigerianerin, die nach Amerika auswandert, um an einer der dortigen Eliteuniversit√§ten zu studieren und im Land der unbegrenzten M√∂glichkeiten, ihr Gl√ľck zu finden. Was zwar schon viele vor ihr getan haben, was sich aber als gar nicht so einfach herausstellt.

Und während sie sie betrachtete, dachte sie, dass die alte Tante Uju ihr Haar nie in so schlampigen Zöpfen getragen hätte. Sie hätte nie die eingewachsenen Haare toleriert, die wie Rosinen auf ihrem Kinn wuchsen, oder Hosen getragen, die sich zwischen ihren Beinen pluderten. Amerika hatte sie bezwungen.

Au√üerdem ist da Obinze, ihr Freund, den sie in Nigeria zur√ľcklassen muss, und den sie √ľber die Distanz tausender Kilometer aus den Augen zu verlieren droht.

Wortgewaltig beschreibt die Autorin  das Leben einer schwarzen Ausländerin in den USA, dass sicher alles, aber kein Zuckerschlecken ist. Denn trotz ihrer Ausbildung und ihrer Qualifikationen, wird sie als Mensch zweiter Klasse behandelt. Bis heute leider traurige Realität in der weltgrößten Volkswirtschaft.

Viele schwarze Amerikaner haben einen wei√üen Vorfahren, weil wei√üe Sklavenhalter nachts gerne zum Vergewaltigen in die Sklavenquartiere gingen. Aber wenn du rauskommst und schwarz aussiehst, dann hat es sich damit. (Wenn Schwarze √ľber Schei√üe reden und du die blonde, blau√§ugige Frau bist, die sagt “Mein Gro√üvater war ein amerikanischer Ureinwohner, und ich werde auch diskriminiert”, dann halte bitte sofort den Mund). In Amerika entscheidest nicht du, welche Rasse du bist. Es wird f√ľr dich entschieden.

Zudem f√ľhren die Eigenheiten und Marotten der Amerikaner bei Ifemelu zu einem wahren Kulturschock, der mich vermutlich genauso getroffen h√§tte. Denn anders als es uns die amerikanischen Filme glauben machen wollen, ist der Mentalit√§tsunterschied frappierend.

Doch statt den Kopf in den Sand zu stecken und Depressionen zu bekommen, wie einige ihrer Landsleute, startet sie einen Blog √ľber ihr Leben als schwarze Nichtamerikanerin in den USA. Dadurch wird sie ungewollt zu einem Internetstar, was dann wieder sehr amerikanisch anmutet und dem Erfolg des Romans vermutlich zutr√§glich war.

Amerikanah konnte mich mit seiner Sprache uns seinen starken Figuren packen, aber nicht ganz √ľber die 600 Seiten hinweg fesseln. Trotzdem ein tolles, interessant es und ungew√∂hnliches Buch, das durch seine Wahrheit, Melancholie und Lebensfreude aus der Masse heraussticht und mir sicher noch lange im Ged√§chtnis bleiben wird.

Liebste Szene

Sie lagen auf der Couch, sie las einen Roman, er sah Sport. Sie fand es liebenswert, wie aufmerksam er die Spiele verfolgte, die Augen zusammengekniffen und reglos vor Konzentration. W√§hrend der Werbepausen machte sie sich lustig √ľber ihn: Warum hatte American Football keine inh√§rente Logik, warum sprangen √ľbergewichtige M√§nner aufeinander drauf? Und warum spuckten Baseballspieler oft und rasten dann auf v√∂llig unverst√§ndliche Weise √ľber das Feld? Er lachte und versuchte wieder einmal, ihr die Bedeutung von Homeruns und Touchdowns zu erkl√§ren, doch es interessierte sich nicht, denn wenn sie die Regeln verst√ľnde, k√∂nnte sie ihn nicht l√§nger auf den Arm nehmen, und so wandte sie sich wieder ihrem Buch zu, bereit, ihn in der n√§chsten Werbepause wieder zu verspotten.


        

Teilen
Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedintumblrmail

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir verwenden Cookies, um Ihnen das beste Nutzererlebnis bieten zu können. Wenn Sie fortfahren, diese Seite zu verwenden, nehmen wir an, dass Sie damit einverstanden sind.