Als wir unsterblich waren: Historischer Roman von Charlotte Roth

Inhalt

Im November 1989 fällt die Innerdeutsche Grenze. Um diese besondere Nacht zu feiern, fährt die junge Berlinerin Alexandra zum ersten Mal in ihrem Leben in den Westen und lernt dort Oliver kennen, in den sie sich sofort unsterblich verliebt.

Sie erlebt die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wie in einem Rausch, hat aber auch Angst davor, dass die Grenzen wieder geschlossen werden und sie Oliver nicht wieder sehen würde. Doch die beiden haben Glück. Als die Grenzen nach Wochen noch immer offen sind, traut Alexandra sich endlich, Oliver ihrer Oma vorzustellen.

Kaum sieht die alte Frau den Freund ihrer Enkelin, erleidet sie einen Herzinfarkt, den zunächst niemand so recht nachvollziehen kann.

Das Wort verpuffte nicht, wie es Wort für gewöhnlich taten, sondern blieb hart und solide im Raum. Es war eins der seltenen Worte, die Schweigen geboten, eine Pause im gehetzten Atem der Welt.

Erst als Alexandras Oma beginnt ihre faszinierende Lebensgeschichte zu erzählen, fallen die Puzzleteile nach und nach an ihren Platz.

Erster Satz

“Wenn dein Haus über dir zusammenstürzt, hörst du es vorher in den Wänden knacken”, hatte Momi zu Alexandra gesagt, als sie etwa fünf Jahre alt gewesen war.

Lesemotivation

Nach längerem verspürte ich mal wieder Lust darauf einen historischen Roman zu lesen und durchforstete mein Bücherregal nach entsprechendem Lesestoff. Als mich dort nichts so recht ansprach, stöberte ich auf meinem Kindle und stieß auf diesen Roman, der dort schon länger darauf wartete gelesen zu werden.

Meinung

Schon die ersten drei Kapitel fand ich sehr spannend. Es war aufregend den Tag des Mauerfalls aus Alexandras Sicht zu erleben. Charlotte Roth gelang es wunderbar die Stimmung, die damals geherrscht haben musste, einzufangen und in Worte zu hüllen.

Ich wollte unbedingt wissen, wie es mit Alex und Oliver weiterging und war daher zunächst etwas enttäuscht, als der zweite Handlungsstrang mich in das Jahr 1912 zurückkatapultierte. Doch nach und nach wollte ich auch wissen, wie es hier weiterging.

Als Leser weiß man zwar von den zwei Weltkriegen, die den jungen Leuten von damals bevorstehen würden, nach welchen nichts mehr sein würde wie zuvor.

“Darf ich Ihnen noch etwas bringen?”, drang die Stimme der Kellnerin an sein Ohr.

Er drehte sich um und hob bedauernd eine Schulter. “Einen Whisky. Single Malt. Ohne Wasser und Eis.”

“Tut mir leid, so was führen wir nicht mehr.”

“Das habe ich befürchtete.”

“Darf’s ein Korn sein?”

“Nein”, erwiderte Clemens, “nicht mal fürs Vaterland. Ich nehme mit einem treudeutschen Rotwein vorlieb, wenn möglich trocken wie Knochenstaub und dunkel wie ein Leichenwagen.”

Aber selbst wenn man bereits etliche Romane gelesen hat, die zu dieser Zeit spielen, rühren einen die Einzelschicksale dann doch wieder fast zu Liebste Szene

“Warum singst du das, he?” Jeder Gedanke an Vorsicht war vergessen. “Warum soll Deutschland über allem stehen, was ist an Deutschland wertvoller als an Frankreich, Russland und jedem anderen Land? Gibt es nicht überall Leute wie uns, die nur ihr Leben leben wollen, ohne Angst vor dem Morgen zu haben? Sollten all diese Leute nicht zusammenstehen?” Sie sah ihn an und erkannte, dass er nichts davon verstand.

Fazit

“Als wir unsterblich waren” ist ein tolles Buch, das einen zum Schmunzeln, Lachen, Nachdenken und Weinen bringt.

Nicht zuletzt durch den tollen Schreibstil von Charlotte Roth habe ich die Lektüre sehr genossen. Es hätte mich zwar brennend interessiert, wie sich die Beziehung von Alex und Oliver im vereinten Deutschland weiterentwickelt, doch als ich mich langsam damit angefreundet hatte, dass vielmehr Momis Lebensgeschichte das eigentliche Thema ist, war das auch okay.

Außerdem hatte es mich sehr gefreut, dass Paulas Geschichte im Jahr 1912 startete und nicht erst 20 Jahre später. Denn bislang habe ich weit weniger Bücher gelesen, die zur Zeit des Ersten Weltkriegs spielten, als solche die im Zweiten Weltkrieg angesiedelt waren.

Auch das Ende hat mir sehr gut gefallen und hielt einige Überraschungen bereit die ich so nicht vorhergesehen hätte.


        
    

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